Die spanische Schriftstellerin Marta Jiménez Serrano bringt Oxygen nach Chile, einen Roman, der auf ihrer Nahtoderfahrung durch eine Kohlenmonoxidvergiftung im Jahr 2020 basiert. Das bei Alfaguara erschienene Buch untersucht Wohnungsnot und menschliche gegenseitige Abhängigkeit. „Ich wäre nicht am Leben, wenn es die anderen nicht gäbe“, so die Autorin.
Die 36-jährige Marta Jiménez Serrano überlebte am 7. November 2020 gemeinsam mit ihrem Partner Juan ein Kohlenmonoxidleck in ihrer Wohnung. Der Vorfall, der in den ersten Zeilen von Oxygen lebhaft beschrieben wird, kostete sie fast das Leben. Der Roman schildert das Erlebnis in der Ich-Form durch eine analytische und distanzierte Erzählerin. Der Schreibprozess war langsam und akribisch, berichtet Jiménez. Sie machte sich direkt nach dem Ereignis Notizen, nahm sich aber Zeit für die Strukturierung. „Es war ein fortschreitender Prozess, kein plötzlicher Einfall“, erklärt sie. Zu den Herausforderungen gehörte es, trotz der autobiografischen Geschichte die Spannung aufrechtzuerhalten und Ereignisse zu schildern, an die sie keine Erinnerung hatte. Oxygen prangert die Wohnungsnot und die hohen Mietkosten in Spanien an. Die Autorin reflektiert über das Zuhause und kommt zu dem Schluss, dass es eher in persönlichen Routinen und Gewohnheiten als in materiellen Strukturen liegt. Kritiker wie El País loben die kristalline Prosa und die Kürze von rund 160 Seiten. Jiménez betont die gegenseitige Abhängigkeit, die durch den Unfall deutlich wurde: Nachbarn und Rettungskräfte retteten ihr das Leben. „Sowohl Therapie als auch Literatur beinhalten, eine Erfahrung in Worte zu fassen und sie durch andere bestätigen zu lassen“, sagt sie über deren therapeutischen Wert. Nach ihrem Gedichtband La edad ligera und früheren Romanen bei Sexto Piso kommt sie nun mit der Ausgabe von Alfaguara nach Chile.