Beim Weltwirtschaftsforum in Davos widersetzen sich westliche Verbündete der USA erstmals offen Präsident Donald Trumps Politik. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnt vor der Annexion Grönlands und fordert ein unabhängiges Europa. Kanadas Premierminister Mark Carney ruft mittelgroße Länder zu einer Allianz gegen die Großmächte auf.
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos markiert einen Wendepunkt in der Reaktion auf die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Nach einem Jahr mit Zöllen auf Produkte wie Dosenbier, Polstermöbel und Autos sowie Beschimpfungen auf Truth Social und Androhungen militärischer Aktionen in Kanada und Grönland zeigen sich die Verbündeten entschlossen, ohne die USA weiterzumachen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warf Trump am ersten Tag des Forums Wortbruch in Handelsgesprächen vor und forderte ein „neues, unabhängiges Europa“. Der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierte das US-„Bullying“ und forderte eine „Handels-Bazooka“ gegen Trumps Pläne. Dänemark reagierte auf die Grönland-Androhungen, indem es die NATO um eine dauerhafte Präsenz bat und Trump eine klare Ansage machte.
Der Star des Auftakts war Kanadas Premierminister Mark Carney. In einer Rede sprach er von einem „Bruch“ in der Weltordnung und rief mittelgroße Länder auf, sich zu verbünden: „Die Mittelmächte müssen gemeinsam handeln, denn wenn man nicht mit am Tisch sitzt, landet man auf der Speisekarte.“ Seine Worte wurden mit Standing Ovations belohnt und signalisieren einen pragmatischen Realismus in einer Zeit geschwächter UN und NATO.
Trump soll am Mittwoch in Davos eintreffen, wo ein Gegenschlag gegen weitere Zölle vorbereitet wird. Die Ereignisse unterstreichen den Druck auf die USA und die Notwendigkeit globaler Handlungsfähigkeit ohne amerikanische Führung.