Die EU bereitet sich auf einen Handelskonflikt mit den USA vor und plant Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro, falls US-Präsident Donald Trump seine Zolldrohungen umsetzt. Der Streit dreht sich um US-Ansprüche auf Grönland, das zu Dänemark gehört. Ein Sondergipfel der EU-Staatschefs ist für Donnerstag geplant.
US-Präsident Donald Trump hat am Samstag angekündigt, ab dem 1. Februar 2026 einen 10-prozentigen Zoll auf Waren aus acht europäischen Ländern zu erheben – darunter Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Finnland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich –, falls die EU einem US-Kauf Grönlands widerspricht. Der Zollsatz soll im Juni auf 25 Prozent steigen. Trump begründet dies mit Sicherheitsbedenken gegenüber China und Russland und verweist auf sein geplantes Raketenabwehrsystem Golden Dome. Er ließ militärische Mittel gegen den Nato-Partner Dänemark offen.
Grönland ist ein autonomes Gebiet Dänemarks; eine Umfrage zeigt, dass 85 Prozent der Grönländer eine US-Übernahme ablehnen. Tausende demonstrierten am Wochenende in Nuuk und Dänemark dagegen. Die Drohungen richten sich gegen Länder, die an der Erkundungsmission Arctic Endurance teilnahmen, um die Arktissicherheit zu prüfen. 15 deutsche Soldaten verließen Grönland planmäßig am Sonntag.
Die EU-Botschafter einigten sich in Brüssel nicht auf sofortige Gegenzölle, doch 93 Milliarden Euro an Abgaben auf US-Produkte wie Bourbon, Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel treten automatisch am 6. Februar in Kraft, falls keine Einigung erzielt wird – vereinbart im Juli. Das Europäische Parlament verschob die Ratifizierung eines Handelsabkommens, das Zollfreiheit für US-Waren und 15 Prozent auf EU-Waren vorsah, auf unbestimmte Zeit.
EVP-Chef Manfred Weber sagte im ZDF: „Trump wird den zollfreien Zugang seiner Produkte nicht bekommen – ein erstes klares Signal.“ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte: „Wir werden unsere strategischen Interessen schützen, mit Standhaftigkeit und Entschlossenheit.“ Sie sprach mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte, Keir Starmer, Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Giorgia Meloni. Außenminister Johann Wadephul (CDU) erwartete „eine europäische Antwort“ und schloss Nato-Spannungen aus: „Gemeinsam sind wir stark.“ Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) erklärte: „Wir lassen uns nicht erpressen.“
EU-Ratspräsident António Costa kündigte einen Sondergipfel an, wahrscheinlich am 22. Januar in Brüssel. Die EU erwägt das Anti-Coercion Instrument; Frankreich bevorzugt es. Italien bietet Vermittlung an. In den USA kritisieren Senatoren Jeanne Shaheen und Thom Tillis die Rhetorik als hilfreich für Putin und Xi. Dänischer Arktiskommandeur Søren Andersen betonte enge US-Zusammenarbeit trotz Spannungen.