Die Antikorruptionsgruppe Anticor tritt als Zivilpartei in der von der Nationalen Finanzstaatsanwaltschaft eingeleiteten gerichtlichen Untersuchung zum Verkauf des Energiebereichs von Alstom an General Electric im Jahr 2014 bei. Die Ermittlungen prüfen Verdachtsfälle von Korruption und Amtsmissbrauch mit Beteiligung von Emmanuel Macron als damaligem Wirtschaftsminister. Der sensible Fall schreitet mit einer laufenden Rogatorienkommission voran.
Die Antikorruptionsvereinigung Anticor hat sich entschieden, als Zivilpartei in eine von der Nationalen Finanzstaatsanwaltschaft (PNF) eröffnete Justizakte einzugreifen. Wie Le Monde erfuhr, bezieht sich dieser Schritt auf die information judiciaire, die im Dezember 2022 nach einer Disjunktionsverfügung eingeleitet wurde. Sie betrifft die Übernahme des „Power and Grid“-Zweigs von Alstom, spezialisiert auf Transport, durch den US-Konzern General Electric für 12,3 Milliarden Euro. Die Transaktion wurde von Emmanuel Macron genehmigt, der von 2014 bis 2016 Wirtschaftsminister war. Die Untersuchung beleuchtet die Rolle von Macron und seinem Umfeld in dem Geschäft. Die Vorwürfe umfassen passive und aktive Korruption durch oder zugunsten eines öffentlichen Amtsträgers, passive und aktive Einflussvermittlung durch oder zugunsten eines öffentlichen Amtsträgers, ungesetzliche Interessenkonflikte (einschließlich Pantouflage) sowie Amtsmissbrauch durch einen Inhaber öffentlicher Gewalt. Bisher wurden keine Anklagen erhoben. Eine Rogatorienkommission läuft, und wenige Details sind aus der Akte durchgesickert, die hoch sensibel bleibt, da Macrons zweite Amtszeit in die Schlussphase eintritt. Le Monde hatte die Eröffnung dieser gerichtlichen Vorermittlung 2024 enthüllt. Anticor, anerkannt für seinen Einsatz gegen Korruption, will den Fall durch direkte Beteiligung wiederbeleben.