Zwei Leserbriefe in La Tercera kritisieren das kürzliche von Anatel organisierte Präsidentschaftsdebatt für fehlende Interaktion und Substanz. Die Autoren argumentieren, dass das Verhalten der Kandidaten einen Mangel an Bürgerbildung widerspiegelt und Wähler im Stichwahlkampf entmutigen könnte. Das Ereignis wird als oberflächliches Spektakel statt als echter Ideenaustausch beschrieben.
Die von Anatel übertragene Präsidentschaftsdebatte, die in der Nacht des 8. Dezember 2025 stattfand, zieht Kritik wegen ihres mangelhaften Formats auf sich. In einem Leserbrief sagt Kênio Estrela, ein Akademiker für Sprachphilosophie und Linguistik: „Was vorgestern Abend geschah, war kein Debatt, denn Debattieren erfordert Interaktion, Replik und geteilten Sinn. Es gab nur parallele Emissionen, ohne die minimale ‚cooperación conversacional‘, die jeder bedeutende Sprechakt verlangt.“ Estrela fordert die Bürger auf, ihren Willen am kommenden Sonntag, dem 14. Dezember, durch ihre Stimme auszudrücken, als einzige verbindliche Erklärung.
Rodrigo Espinoza Troncoso, Direktor der School of Public Administration an der Universidad Diego Portales, hebt das besorgniserregende Verhalten der Kandidaten hervor: „ständige Unterbrechungen, geringe Seriosität im Umgang mit Zahlen, fortwährende Provokationen, simultane Interventionen, Missbrauch von Slogans, ausweichende Antworten und einen bemerkenswerten Mangel an sinnvollem Inhalt für Technokraten wie normale Bürger.“ Espinoza Troncoso bemerkt, dass dieser Mangel an Bürgerbildung sogar Eliten betrifft, Debatten in oberflächliche Spektakel verwandelt und fragt, was die Jugend aus solchen Beispielen lernen kann. Er warnt, dass der knappe Inhalt bezüglich öffentlicher Politiken die Idee ungültiger Stimmen verstärken könnte.
Beide Meinungen betonen die Bedeutung gesunder Deliberation in der Demokratie, bei der Bürger die Positionen der Kandidaten kennenlernen können. Trotz der Kritiken zeigt die Debatte keine Widersprüche in den berichteten Fakten, mit Fokus auf Form statt Substanz. Die Stichwahl rückt näher, mit kostenlosem öffentlichen Verkehr und verlängerten Betriebszeiten in Santiago zur Förderung der Teilnahme.