Über 1,1 Millionen Flüchtlinge in Äthiopien riskieren den Verlust lebensrettender Dienste aufgrund von Finanzmangel, warnt eine gemeinsame Erklärung. Der äthiopische Dienst für Flüchtlinge und Rückkehrer, UNHCR und Welternährungsprogramm veröffentlichten die Warnung. Die Organisationen fordern 90 Millionen USD für die nächsten sechs Monate, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Äthiopien, Gastgeber der zweitgrößten Flüchtlingsbevölkerung Afrikas, steht unter wachsendem Druck durch Konflikte im Sudan und Südsudan sowie Dürre in Somalia. Aufgrund von Finanzlücken planen Hilfsorganisationen eine Kürzung der Notfallhilfe um 70 % für 2025. Dies bedroht das grundlegende Überleben von über 1,1 Millionen Flüchtlingen.
Das Welternährungsprogramm wird die Rationen für 780.000 Flüchtlinge um 60 % kürzen und weniger als 1.000 Kalorien pro Tag bereitstellen. Die Nahrungsmittelunsicherheit in den Lagern überschreitet 15 %, wobei die Kindersterblichkeitsraten auf 4,7 % im Jahr 2025 steigen.
Weyzero Teyiba Hassan, Direktorin des äthiopischen Dienstes für Flüchtlinge und Rückkehrer, erklärte: „Äthiopien erfüllt seine Verpflichtung zum Schutz von Flüchtlingen, aber diese schwere Verantwortung kann die Regierung nicht allein tragen. Internationale Unterstützung ist erforderlich, um eine humanitäre Katastrophe in dieser kritischen Zeit zu verhindern.“
UNHCR-Vertreterin Aysatou Ndiaye fügte hinzu: „Die aktuelle Situation ist beispiellos und äußerst ernst. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden entweder die Flüchtlingsreaktion Äthiopiens aufbrechen oder ein Modell für erneuerte und nachhaltige Lösungen werden.“
Der Zugang zu Wasser hat sich ebenfalls verschlechtert, wobei Flüchtlinge im Durchschnitt 12-14 Liter pro Tag erhalten, in einigen Gebieten nur 5 Liter – unter dem Notfallminimum von 15 Litern. Darüber hinaus drohen 57 Grundschulen, die 110.000 Kinder betreuen, bis Januar 2026 zu schließen und setzen Jugendliche Risiken von Gewalt, Arbeitsausbeutung und Menschenhandel aus.