Französische Weinclubs mit teuren Mitgliedschaften und privaten Abenden in Palästen dienen nun als Netzwerk- und Geschäftsplattformen und rivalisieren mit ihren Londoner Pendants. Gegründet 1991, verkörpert Alain Martys Wine Business Club diesen Wandel mit heute 1.100 Mitgliedern aus der Wirtschaftselite.
Französische Weinclubs haben sich über bloße Weinverkostungen hinaus entwickelt und sind zu bevorzugten Treffpunkten für berufliches Networking geworden. Alain Marty, Gründer des Wine Business Club (WBC) im Jahr 1991, sagt: «Geld ist kein Tabu. In vielen Clubs ist es heikel, darüber zu sprechen. Bei uns gibt es kein Drumherum.» Die Anfänge des WBC waren bescheiden: Der erste Abend, der teilweise über den Bodyguard von Serge Dassault organisiert wurde, lockte nur fünfzehn Gäste an, darunter Jean-Marie Messier und Alexandre de Lur Saluces, damaliger Eigentümer von Château d’Yquem. Marty scherzt heute, es sei «katastrophal» gewesen. Doch der Club ist gewachsen: Er zählt nun 1.100 Mitglieder, alles Geschäftsleiter, von denen 70 Prozent mittelständische Unternehmen mit Umsätzen zwischen 50 Millionen und einer Milliarde Euro leiten. Veranstaltungen finden dreimal im Monat in Locations wie dem Bristol, Shangri-La oder Petrossian statt und umfassen Verkostungen von drei Weingütern, ein 60-minütiges Geschäftsgespräch sowie Interviews mit Top-Managern wie Patrick Pouyanné, Christine Lagarde oder Vincent Bolloré. Die Jahresbeiträge liegen zwischen 5.500 und 13.000 Euro, zzgl. Kosten für Weltreisen. Wie Marty offenbart, «zählen wir allein in Paris jährlich rund 50 Transaktionen, darunter Firmenübernahmen unter Mitgliedern, plus 100 Einstellungen. Das Geschäft floriert.» Diese Clubs funktionieren wie private Logen und fördern Verbindungen unter Gleichgestellten für greifbare Chancen.