Rechtsextreme Gruppen rekrutieren systematisch neue Mitglieder mit durchdachten Strategien und nutzen Schulen und Videospiele als zentrale Arenen. Expos neuer Bericht, basierend auf Interviews und Analysen, skizziert den Rekrutierungsprozess in sechs Schritten. Er betont, dass Interventionen der Gesellschaft eine entscheidende Rolle beim Bekämpfen der Radikalisierung spielen.
Die Organisation Expo hat einen Bericht veröffentlicht, der untersucht, wie rechtsextreme Gruppen junge Aktivisten rekrutieren, mit Fokus auf den Prozess statt auf nachfolgende Gewaltakte. Basierend auf Interviews mit Aussteigern, rechtsextremen Materialien und offenen Quellen identifiziert der Bericht systematische Rekrutierungsstrategien.
Daniel Poohl, CEO von Expo, erklärt: „Wir wollten verstehen, wie die Extreme Rechte selbst operiert, welche Faktoren die Radikalisierungsreise ermöglichen.“ Die Rekrutierung folgt einer „Rekrutierungsleiter“ mit sechs Stufen. Der erste Schritt senkt die Hemmschwelle für rechtsextreme Ideen durch Witze, Ironie und rassistischen Jargon in sozialen Medien. Politische Legitimität, wie die offene Rede der Sweden Democrats von „Bevölkerungsaustausch“, erleichtert dies. „Es ist ein kontinuierlicher Aufwand durch Propaganda“, sagt Poohl.
Soziale Medien werden genutzt, um Gemeinschaft und heldenhafte Missionen zu präsentieren, wobei die Ideologie zunächst im Hintergrund bleibt. Junge Männer rekrutieren vor allem andere junge Männer in Umfeldern, in denen Werte bereits übereinstimmen. Die Gaming-Welt mit ihrem bestehenden rassistischen Jargon dient als zentraler Einstiegspunkt in private Chats. Schulen sind eine weitere zentrale Arena. Die Anziehungskraft liegt im Versprechen realer Aktionen jenseits des Online-Raums.
Die Gruppen investieren viel Energie in die Bindung von Mitgliedern durch interne Regeln und das Erkennen von Verrat. Poohl vergleicht den Prozess mit einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Extremisten und Gesellschaft, Familie und Schule, wobei die Außenwelt oft obsiegt. „Der endgültige Schluss ist, dass Interventionen der Gesellschaft zählen. Die Gruppen sind sich dessen sehr bewusst“, sagt er.
Der Bericht wurde am 15. Dezember 2025 veröffentlicht.