Seit Monaten ermittelt die Bundeswehr gegen 55 Angehörige des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken wegen Rechtsextremismus, sexualisierter Übergriffe und Drogenmissbrauchs. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, kritisiert systemische Mängel und Führungsversagen. Die Vorfälle schädigen das Ansehen der Truppe und erschweren die Rekrutierung neuer Soldaten.
In der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken, wo das Fallschirmjägerregiment 26 stationiert ist, laufen seit Monaten Ermittlungen gegen 55 Soldaten. Die Vorwürfe umfassen rechtsextreme Aktivitäten wie Hitlergrüße, eine Nazi-Party und eine antisemitische Clique sowie sexualisierte Übergriffe, darunter Exhibitionismus, Vergewaltigungsfantasien und sexistische Sprache. Zudem wird Drogenmissbrauch untersucht, einschließlich Gewaltritualen. Auslöser waren im Juni Eingaben von Soldatinnen an den Wehrbeauftragten des Bundestags.
Bisher wurden drei Soldaten entlassen, gegen 19 weitere läuft das Entlassungsverfahren. Über 260 Vernehmungen haben stattgefunden, darunter gegen einen Kompaniechef, der eine geladene Pistole auf Gesichter von Soldaten gerichtet haben soll. Verteidigungsminister Boris Pistorius fordert eine konsequente Ahndung.
Thomas Röwekamp (CDU), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, äußerte scharfe Kritik gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Diese Vorfälle und die Reaktionen darauf schaden dem Ansehen der Bundeswehr und der Soldatinnen und Soldaten, die jeden Tag ihren Dienst in Übereinstimmung mit unseren Werten und unter Einsatz ihres Lebens leisten. Und sie gefährden die Bereitschaft, sich in den Dienst unserer Truppe zu stellen.“ Er betonte: „Das Ausmaß und der Zeitraum der sexuellen Übergriffe, des Rechtsextremismus und des Drogenmissbrauchs offenbaren, dass die innere Führung und die Fürsorgepflicht von Vorgesetzten versagt haben.“ Röwekamp sieht erhebliche kulturelle und systemische Mängel, die über einzelne Fehltritte hinausgehen.
Am Mittwoch tritt Heeres-Inspekteur Christian Freuding vor dem Ausschuss auf, um zu den Vorfällen Stellung zu nehmen. Die Skandale gefährden nicht nur die interne Disziplin, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr bei der Gewinnung neuer Kräfte.