Ein Skandal mit Sexismus, Rechtsextremismus und Drogenmissbrauch im Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken sorgt für Empörung in der Bundeswehr. Gegen 55 Soldaten wird ermittelt, 23 sollen entlassen werden. Der Vorfall gefährdet Verteidigungsminister Boris Pistorius und die Zukunft der Truppe.
Der Skandal beim Fallschirmjägerregiment 26 der Bundeswehr in Zweibrücken hat am Mittwoch in der Sitzung des Bundestagsverteidigungsausschusses große Aufmerksamkeit erregt. Die Verantwortlichen zeigten Zerknirschung über die Ereignisse, die seit Monaten andauern, aber erst Ende des Jahres mit einem Mix aus Sexismus, Rechtsextremismus und Drogenmissbrauch volle Beachtung fanden.
Die Vorfälle umfassen schwere Belästigungen: Männliche Soldaten drangen in Duschen und Toiletten ein, die von weiblichen Kameradinnen genutzt wurden, und äußerten dort aggressiv sexuelle Wünsche. Dies wird als Gewalt oder Androhung gewertet und als systematischer Machtmissbrauch beschrieben. Gegen 55 Beschuldigte läuft eine Ermittlung; 23 Soldaten sollen entlassen werden oder sind es bereits. Einige könnten vor Gericht landen.
Für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist die Situation doppelt bedrohlich. Der Fall reiht sich in eine Kette ähnlicher Vorfälle ein, bei denen eine Minderheit der Truppe sexistisch oder rechtsextremistisch agiert. Der jährliche Bericht der Wehrbeauftragten zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Eine angekündigte Dunkelfelduntersuchung zu Sexismus ist noch nicht gestartet, was auf Ängste vor den Ergebnissen hindeutet.
Der Skandal trifft die Bundeswehr in einer sensiblen Phase: Sie muss wachsen und integrierte Kräfte gewinnen. Unterrepräsentierte Frauen werden Umgebungen meiden, in denen sie als Freiwild gelten. Die Führung wirkt resigniert; Pistorius fehlte im Ausschuss und äußert sich defensiv. Resignation gefährdet jedoch Betroffene und die Rekrutierung guter Leute, die die Truppe dringend braucht.