Bei einer prokurdischen Versammlung in Kiel am Dienstagabend kam es zu Ausschreitungen mit mehreren Verletzten. Die Polizei ermittelt gegen Demonstranten wegen verschiedener Delikte. Der Hintergrund ist die aktuelle Lage in Syrien.
In Kiel fand am Dienstagabend eine prokurdische Demonstration zur Lage in Syrien statt, an der bis zu 1500 Menschen teilnahmen. Die Veranstaltung begann um 18 Uhr am Hauptbahnhof und zog in Richtung Wall. Laut Polizei wuchs die Gruppe auf Höhe des Ziegelteichs auf 1500 Teilnehmer an.
Die meisten Demonstranten verhielten sich friedlich, doch es gab vereinzelte Vorfälle: Teilnehmer zündeten Pyrotechnik wie Raketen und Bengalos. Eine 20-köpfige Gruppe aus dem linken Spektrum schloss sich an. Gegen 19 Uhr besetzten etwa 100 vermummte Personen die Fußgängerbrücke am Wall und versuchten, eine Flagge vor einem Polizeifahrzeug in Brand zu setzen, was von Einsatzkräften verhindert wurde.
Größere Gruppen durchbrachen Polizeisperren und bewegten sich entgegen der Route. Im Bereich einer Gaststätte am Wall eskalierten Provokationen zwischen Demonstranten und Außenstehenden. Einsatzkräfte gerieten dazwischen; ein geworfenes Sitzmöbel verfehlte eine Beamtin knapp. Mehrere Personen erlitten Verletzungen, hauptsächlich im Gesicht.
Polizeisprecherin Stephanie Lage erklärte: „Einsatzkräfte gerieten zeitweise zwischen die Fronten. Teilkräfte mussten sich zurückziehen.“ Die Polizei leitete Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, tätlichen Angriffs, Körperverletzung und Sachbeschädigung ein. Die Lage konnte schrittweise unter Kontrolle gebracht werden; rund 800 Teilnehmer kehrten um 20.30 Uhr zum Hauptbahnhof zurück.
Am Mittwochabend gab es eine unangemeldete Demo mit 100 Personen, emotional, aber ohne größere Vorfälle. Für Donnerstag ist eine größere Demonstration angekündigt. Der Kontext ist der Vormarsch der türkischen Armee in kurdisch kontrollierte Gebiete im Nordosten Syriens.