Ein unbekanntes Feldheft des schwedischen Königs Karl XII. wurde in der Universitätsbibliothek Göteborg entdeckt. Die Forscherin Antoaneta Granber stieß zufällig darauf in der Hvitfeldska-Sammlung. Das Buch, das die Jahre 1707 bis 1717 umfasst, enthält einzigartige Illustrationen und Einblicke in das militärische Denken des Königs.
Das 268-seitige Feldheft, gebunden in abgenutztem Leder mit vergoldeter Schrift auf dem Rücken, wurde von Antoaneta Granber gefunden, Dozentin und Universitätslektorin für slawische Sprachen an der Universität Göteborg. Sie suchte nach Schriften in ihrem Forschungsbereich, als sie das Buch in der Hvitfeldska-Sammlung entdeckte, die 1967 dem Bibliothek geschenkt wurde.
»Meine erste Reaktion war, dass dies wahrscheinlich gut bekannt ist – sicherlich kenne ich es nur nicht. Aber das Feldheft ist vollständig unbekannt, und niemand wusste von seiner Existenz«, erzählt Granber der Göteborgs-Posten.
Das Buch erstreckt sich vom Sommer 1707 bis Herbst 1717, dem Jahr vor Karl XII.s Tod. Mehrere Kapitel wurden vor der Schlacht von Poltawa im Frühling 1709 verfasst, erwähnt aber weder die Niederlage noch die anschließende Kapitulation bei Perewolotschna. Stattdessen zeigt es den König als akribischen Stratege mit einer »fast mythischen Beziehung zu Ordnung und Struktur«, so Granber.
»Das Bild, das er im Buch hinterlässt, ist keineswegs das eines schlechten Strategen. Vielmehr tritt eine Person mit einer fast mythischen Beziehung zu Ordnung und Struktur hervor«, sagt sie.
Das Feldheft enthält detaillierte Illustrationen wie Zeichnungen, Figuren und Truppenformationen. Einige Kapitel sind vom König mit der Signatur 'Carolus' oder 'L.S.' unterzeichnet, was für Loco Sigilli steht und 'an Stelle des Siegels' bedeutet. Andere Signaturen stammen von Carl Piper, dem engsten Berater des Königs, und Samuel Åkerhielm, der für die Kanzlei des Königs verantwortlich war.
Die Entdeckung liefert neue Einblicke in die militärische Planung Karl XII.s im Großen Nordischen Krieg, auch wenn das Buch die großen Rückschläge nicht thematisiert.