Der Dokumentarfilm Cashing Out von Filmemacher Matt Nadel beleuchtet viatical settlements, ein kontroverses Finanzinstrument aus der AIDS-Epidemie-Zeit, das todkranken Patienten Bargeld bot, aber Vorwürfe des Profiteurens auslöste. Ursprünglich wollte Nadel die Investitionen seines Vaters kritisieren, entdeckte aber eine nuanciertere Geschichte queerer Resilienz und Überlebenskraft. Der für die Oscars shortlistete Film ist kostenlos auf der Website von The New Yorker verfügbar.
Matt Nadels Weg zur Entstehung von Cashing Out begann mit einer persönlichen Enthüllung über die Investitionen seines Vaters Phil in viatical settlements während der Hochphase der AIDS-Krise in den 1980er und 1990er Jahren. Diese Vereinbarungen ermöglichten es Versicherungsnehmern mit terminaler Erkrankung, ihre Lebensversicherungen an Investoren für 60 bis 80 Prozent des Nennwerts im Voraus zu verkaufen, wodurch sofortige Mittel bereitgestellt wurden, während Investoren bei Tod die volle Auszahlung erhielten. Nadel stellte sich den Film zunächst als ‚Dad-bashing-Doc‘ vor, mit dem Ziel, seinen Vater negativ darzustellen, doch die Recherche deckte Komplexitäten auf. „Zuerst dachte ich: ‚Ich mache ein Dad-bashing-Doc. Das ist perfekt‘“, erinnert sich Nadel. Die Branche wurde scharf kritisiert, die Presse nannte sie ‚ghoulish‘ und ‚AIDS-Profiteering‘. Doch je tiefer Nadel grub, desto mehr fand er heraus, dass sie als ‚Lebensretter für Tausende von Menschen fungierte, die vollständig vom Staat und den Krankenversicherern ignoriert wurden‘. Scott Page, ein Pionier der viatical settlements, heute life settlements genannt, verteidigte die Praxis: „Man hat mich mit allen Schimpfwörtern belegt. Aber wir kämpften um unser Leben. Ich wusste, dass das, was ich tat, ein so wichtiger Bedarf war, um Menschen die verbleibende Zeit mit Würde zu leben.“ Nadel beschreibt seinen Vater als Geschäftsmann, nicht als Philanthropen: „Mein Dad ist ein Geschäftsmann, und in seiner Welt... das ist, was er tun konnte.“ Die Perspektive des Films verschob sich mit medizinischen Fortschritten wie Protease-Inhibitoren, die Leben verlängerten und Investoren mit laufenden Prämien ohne Auszahlung belasteten. Er beleuchtet auch Ausgrenzungen, wie bei Transpersonen wie Dee Dee Chamblee, die keine arbeitgeberfinanzierte Versicherung hatten. Chamblee, die auf drei T-Zellen kam, die sie ‚den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist‘ nannte, wurde die erste schwarze Trans-Frau, die ins Weiße Haus eingeladen wurde, und kämpfte trotz ihrer Umstände leidenschaftlich. Nadel sieht den Dokumentarfilm als Lehren aus der queeren Geschichte für aktuelle Herausforderungen im Gesundheitswesen, einschließlich steigender Prämien des Affordable Care Act und staatlichem Rückzug von der Abdeckung. „Ich sehe diesen Film wirklich als Anleitung aus der queeren Geschichte, wie wir alle den Moment, in dem wir jetzt leben, navigieren können“, sagt er und betont das Zusammenrücken der Community angesichts von Vernachlässigung.