Insgesamt 115 Autoren gaben am Mittwochabend ihre Entscheidung bekannt, den Verlag Grasset aus Protest gegen die Entlassung ihres Geschäftsführers Olivier Nora nach 26 Jahren an der Spitze zu verlassen. Sie werfen Vincent Bolloré, dem Eigentümer der Hachette-Gruppe, vor, die redaktionelle Unabhängigkeit zu untergraben. In dem offenen Brief, der von Persönlichkeiten wie Virginie Despentes und Bernard-Henri Lévy unterzeichnet wurde, lehnen sie es ab, dass ihre Werke zum 'Eigentum von Vincent Bolloré' werden.
Der Verlag Grasset, eine Tochtergesellschaft der Hachette-Gruppe, die seit 2023 von Vincent Bolloré kontrolliert wird, gab am Dienstag offiziell das Ausscheiden von Olivier Nora bekannt, der 26 Jahre lang Geschäftsführer war. Die Autoren bezeichnen diese Entlassung als 'einen inakzeptablen Angriff auf die redaktionelle Unabhängigkeit und die kreative Freiheit'.
In ihrem am Mittwochabend veröffentlichten offenen Brief mit dem Titel 'Wir sind 115 Autoren, die Grasset verlassen', zollen die Unterzeichner Olivier Nora Tribut: 'Die Grasset-Editionen waren unser Zuhause, einzigartig, weil sie auf friedliche Weise Autorinnen und Autoren zusammenbrachten, die sich in fast allem uneinig waren. Olivier Nora war das Bollwerk und der Kitt durch seine moralische Eleganz, seine Verfügbarkeit und sein Engagement'.
'Wir wollen nicht, dass unsere Ideen, unsere Arbeit, sein Eigentum werden', schreiben sie über Bolloré, dem sie vorwerfen, gesagt zu haben: 'Ich bin zu Hause und tue, was ich will'. Sie weigern sich, 'Geiseln eines ideologischen Krieges' zu sein, der darauf abzielt, 'überall in Kultur und Medien einen Autoritarismus durchzusetzen'. Zu den Unterzeichnern gehören Frédéric Beigbeder, Sorj Chalandon, Anne Sinclair und Pauline Dreyfuss. Sorj Chalandon erklärte gegenüber AFP: 'Ich habe immer gesagt, dass ich Grasset verlassen würde, wenn Olivier Nora auch nur ein Haar gekrümmt würde'.
Eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle bringt Noras Ausscheiden mit einer Meinungsverschiedenheit über die Veröffentlichung des nächsten Buches von Boualem Sansal in Verbindung, doch der Autor widerspricht dem unter Berufung auf eine Nachricht von Nora: 'Du bist nicht die Ursache'. Jean-Christophe Thiery wird die Nachfolge von Olivier Nora antreten.