Das Geldpolitikkomitee (Copom) der brasilianischen Zentralbank hat den Selic-Satz am 28. Januar 2026 zum fünften Mal in Folge bei 15 % pro Jahr belassen, signalisierte aber, dass es die Senkungen bei der März-Sitzung beginnen wird, wenn das wirtschaftliche Szenario bestehen bleibt. Die Entscheidung spiegelt die abkühlende Inflation wider, die 2025 bei 4,26 % endete, unterhalb der Obergrenze des Ziels. Analysten und Gruppen wie die CNI sehen Spielraum für Lockerung, doch die Zentralbank betont Vorsicht angesichts unangezogener Erwartungen und globaler Unsicherheiten.
Bei seiner Sitzung am 28. Januar 2026 entschied das Copom der brasilianischen Zentralbank einstimmig, den Referenzzinssatz Selic zum fünften Mal in Folge bei 15 % pro Jahr zu belassen. Im Statement hieß es: „Das Komitee erwartet, sofern das prognostizierte Szenario bestätigt wird, mit der Lockerung der Geldpolitik bei seiner nächsten Sitzung zu beginnen“, die für den 17. und 18. März geplant ist. Dieses klare Signal überraschte Teile des Marktes, die mit einem reinen Halten ohne explizite Hinweise auf bevorstehende Senkungen gerechnet hatten. Die Inflation summierte sich 2025 auf 4,26 %, unter der Obergrenze des Ziels von 4,5 %, und die Prognosen der Zentralbank sehen für Ende 2026 einen IPCA von 3,4 % und im dritten Quartal 2027 3,2 %, dem relevanten Horizont für die Geldpolitik. Der Focus-Bulletin zeigt jedoch Erwartungen von 4 % für 2026 und 3,8 % für 2027, die als unangezogen vom Zielmittelwert von 3 % gelten. Analysten gehen bei der Größe des ersten Schnitts auseinander: Die Marktmediane setzt auf einen Rückgang auf 12,25 % bis Dezember 2026, mit Wetten auf 0,25 oder 0,50 Prozentpunkte im März. José Marcio Camargo von Genial Investimentos hob die Tonwende der Zentralbank hervor, während Flávio Serrano von Banco Bmg mit einem Schnitt von 0,50 p.p. rechnet. Vorsichtsfaktoren sind ein überhitzter Arbeitsmarkt mit 5,2 % Arbeitslosigkeit im Quartal bis November 2025, anhaltende Dienstleistungsinflation und geopolitische Unsicherheiten wie die US-Politik unter Donald Trump. Der Nationale Industrieverband (CNI) kritisierte die Entscheidung und warf der Zentralbank vor, den Inflationsrückgang und die Schäden hoher Selic-Raten für die Wirtschaft zu ignorieren. „Die Zentralbank hätte den Zyklus der Zinssenkungen schon lange einleiten sollen“, sagte CNI-Präsident Ricardo Alban. Die Zentralbank betonte, dass das Tempo der Senkungen von größerem Vertrauen in das Inflationsziel abhängt, inmitten hoher Unsicherheit. International belegt Brasilien den zweiten Platz bei realen Zinsen mit 9,23 % pro Jahr, hinter nur Russland. Die Entscheidung erhält den Spread zu den USA, wo die Fed die Zinsen bei 3,5 bis 3,75 % hielt.