Vier Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung fasziniert Gabriel García Márquez’ 'Die Liebe in den Zeiten der Cholera' weiterhin Leser, ähnlich wie Jorge Isaacs’ 'María' seit 1867. Beide Romane erkunden die romantische Liebe in unterschiedlichen historischen kolumbianischen Kontexten. García Márquez ließ sich von der Geschichte seiner Eltern inspirieren und veröffentlichte das Buch drei Jahre nach seinem Literaturnobelpreis 1982.
Im Dezember 1985 waren die kolumbianischen Buchhandlungen innerhalb von nur zwei Tagen ausverkauft mit dem neuen Roman von Gabriel García Márquez, 'Die Liebe in den Zeiten der Cholera', einem unerwarteten Weihnachtsgeschenk für die Leser. Drei Jahre nach der Vergabe des Literaturnobelpreises an den Autor im Jahr 1982 schildert das Werk die obsessive und anhaltende Liebe zwischen Florentino Ariza und Fermina Daza, die 53 Jahre, sieben Monate und elf Tage verzögert wurde. García Márquez betonte stets, dass die Geschichte auf der Beziehung seiner Eltern basiere, und sah sie als seinen am besten recherchierten und am wenigsten fiktiven Roman, den er für seine literarische Reife aufsparte, nach Erfolgen wie 'Hundert Jahre Einsamkeit'.
Dieser Roman wird mit Jorge Isaacs’ 'María' verglichen, das 1867 erschien und eines der meistgelesenen Werke der kolumbianischen Literaturgeschichte ist. Während 'María' eine romantische und tödliche Romanze auf einer aristokratischen Hacienda mit kolonialen Echos und postsklavischer Knechtschaft darstellt, spielt 'Die Liebe in den Zeiten der Cholera' in der Hafenstadt Cartagena vom späten 19. bis frühen 20. Jahrhundert, geprägt vom Sklavenhandel, staatlicher Bürokratie und der Cholera-Pandemie, die die Küstenregionen verwüstete.
Beide Werke heben Lieben hervor, die durch Klassengegensätze und sozioökonomische Kontexte vereitelt werden: republikanischer Föderalismus in 'María' und Vernachlässigung der öffentlichen Gesundheit in García Márquez’ Erzählung. Der Autor lehnte direkte Autobiografie ab und wählte später Memoiren wie 'Leben, um zu erzählen' im Jahr 2002. Im Roman feiert García Márquez die Liebe im Alter, entgegen Ansichten von Isolation der Alten, und kontrastiert romantische Vitalität mit Suizid wegen verlorener Liebe, wie beim Charakter Jeremiah de Saint-Amour.
Buchzitate verdeutlichen diese Tiefe: „Die folgenden Tage waren heiß und endlos... auf der Flucht vor der unsichtbaren Cholera, auf der Flucht vor den larvalen Kriegen“ (S. 457-458), was Verlassenheit und Gewalt evoziert. Und am Ende: „es erschreckte ihn mit dem späten Verdacht, dass es das Leben, nicht der Tod ist, das keine Grenzen hat“ (S. 473). Diese unübertroffenen Erzählungen haben ihren Einfluss an den Emotionen von Generationen gemessen, jenseits literarischer Kritiken.