Die Bundesregierung hat sich gegen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ausgesprochen. Staatsministerin Christiane Schenderlein betonte, dass Sport nicht für außenpolitische Zwecke instrumentalisiert werden dürfe. Die Debatte wird durch die Politik von US-Präsident Donald Trump angeheizt.
Die Bundesregierung hat sich klar gegen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 positioniert, die vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko stattfinden soll. Staatsministerin für Sport und Ehrenamt Christiane Schenderlein, CDU-Politikerin, erklärte in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“: „Das unterstützen wir nicht.“ Sie berichtete, dass sich das Bundeskabinett auf diese Linie verständigt habe.
Zur Begründung verwies Schenderlein auf die außenpolitische Haltung Deutschlands gegenüber den USA. „Der Sport darf dafür nicht instrumentalisiert werden“, sagte sie. Zudem betonte sie, dass die WM nicht ausschließlich in den USA ausgetragen wird, sondern auch in Kanada und Mexiko, weshalb ein Boykott die Vereinigten Staaten nicht allein treffen würde.
Die Debatte entstand im Kontext von Konflikten zwischen den USA und europäischen NATO-Staaten, insbesondere durch Donald Trumps Besitzansprüche auf Grönland sowie Eskalationen bei Einwanderungspolitik durch Behörden wie ICE. Aus der Politik gab es Stimmen, die eine Überprüfung der WM-Teilnahme forderten. St.-Pauli-Klubchef und DFB-Funktionär Oke Göttlich plädierte vor einem Pokalspiel bei Bayer Leverkusen im ZDF dafür, einen Boykott zumindest zu diskutieren: „Man kann ja ein Thema nicht totschweigen.“ Er fügte hinzu: „Der Fußball funktioniert nicht im Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen. Ich finde es richtig, dass man die Debatte zumindest führt.“ Göttlich wurde vom DFB für seine Äußerungen kritisiert, betonte aber die enge Abstimmung des Verbands mit der Regierung und die Notwendigkeit, zu prüfen, ob „Demokratie zersetzenden Tendenzen eine sportliche Bühne gegeben werden“ sollte.
Schenderlein erinnerte an Erfahrungen der WM 2022 in Katar, wo Bundesinnenministerin Nancy Faeser eine „One Love“-Binde trug und die deutsche Nationalmannschaft den Mund zuhielt. „Das war keine gute Situation, die da entstanden ist“, sagte die 44-Jährige. Ähnlich äußerte sich DFB-Kapitän Joshua Kimmich: „Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion.“ Er verwies auf Katar: „Das haben wir ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern.“
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) positionierte sich ebenfalls gegen einen Boykott. Nach einer Sitzung am vergangenen Freitag hieß es: „Ein Fernbleiben sei ‚derzeit kein Thema‘.“ Der Verband glaube an die „verbindende Kraft des Sports“ und wolle diese stärken, nicht verhindern.