In Deutschland tobt eine Debatte darüber, ob das Land die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump boykottieren sollte. Politiker äußern Bedenken hinsichtlich Visabeschränkungen und Gewalt durch US-Behörden, während Fußballverantwortliche die Diskussion als verfrüht kritisieren. Die Entscheidung obliegt den Sportverbänden, nicht der Politik.
Die Diskussion um einen möglichen Boykott der Fußball-WM 2026 entbrannte durch Trumps umstrittene Einwanderungspolitik, einschließlich verschärfter Visa-Regeln und tödlicher Vorfälle durch die US-Einwanderungsbehörde ICE, wie den kürzlichen Schuss auf einen Krankenpfleger in Minneapolis. Bundestagsabgeordneter Boris Mijatovic von den Grünen forderte eine Strategie zum Schutz deutscher Fans und Funktionäre. „Die Bundesregierung sollte eine belastbare Strategie zum Schutz deutscher Fans und Funktionär*innen während Einreise und Aufenthalt bei der WM vorlegen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Linken-Fraktionsvorsitzender Sören Pellmann äußerte Sorge um Fans, die mit Verhaftungen und Abschiebungen rechnen müssten, hielt einen Boykott jedoch für wirkungslos: „Ein Boykott liefert nicht die Lösung“, betonte er gegenüber RND. CDU/CSU-Sprecher Stephan Mayer lehnte einen Boykott ab: „Die Politik hat viele geeignete Instrumente, um das Verhalten der US-Regierung zu kritisieren – ein WM-Boykott gehört zweifellos nicht dazu.“ Ähnlich positionierte sich AfD-Vize Jörn König: „Wir lehnen einen Boykott der Fußball-WM entschieden ab. Sportler dürfen aus unserer Sicht nicht unter Politik leiden.“
Staatsministerin Christiane Schenderlein im Bundeskanzleramt unterstrich, dass Entscheidungen bei Verbänden wie dem DFB und der FIFA liegen, die die Bundesregierung akzeptieren werde. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf nannte einen Boykott „eher was für die Galerie“.
Beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main kritisierten DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Präsident Hans-Joachim Watzke die Debatte als unangebracht. Neuendorf wies den Vorstoß von DFB-Vize Oke Göttlich zurück, der eine Diskussion forderte. „Der Fußball muss aushalten können, dass das Thema diskutiert wird“, sagte Göttlich. Watzke: „Aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze.“ Bayern-Vorstand Jan-Christian Dreesen erinnerte an die WM 2018 in Russland trotz geopolitischer Spannungen und plädierte dafür, Sport von Politik zu trennen.
Die Debatte könnte den DFB weiter beschäftigen, bleibt aber vorerst auf einzelne Stimmen beschränkt.