Der Richter des Obersten Gerichtshofs, Alexandre de Moraes, hat am Samstag die Anwendung des Dosimetrie-Gesetzes ausgesetzt, welches die Strafen für die am 8. Januar verurteilten Angreifer reduziert. Die Maßnahme wartet nun auf die Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der am Freitag vom Kongress erlassenen Regelung durch das Plenum des Gerichts. Reaktionen von Politikern der Opposition und der Regierung folgten prompt.
Moraes ordnete an, dass das Gesetz bis zum rechtskräftigen Urteil in den Verfahren, die dessen Gültigkeit infrage stellen, nicht angewendet werden darf. Die Entscheidung wurde in den Fällen von mindestens zehn Personen vermerkt, die wegen der Putschversuche verurteilt wurden.
Senator Flávio Bolsonaro bezeichnete den Schritt als einen „bürokratischen Federstrich“ und erklärte, die Demokratie sei erschüttert. Bei einer Veranstaltung in Florianópolis sagte er, dass ein Minister des Obersten Gerichtshofs die Entscheidungen der Volksvertreter übergehe.
Der Fraktionsvorsitzende der PSOL in der Abgeordnetenkammer, Tarcísio Motta, sagte, die Gesetzgebung sei kasuistisch und verfassungswidrig. Anwälte der Angeklagten, wie etwa Helio Junior, kritisierten die individuelle Aussetzung eines bereits in Kraft getretenen Gesetzes.