Ausländische Investoren wie der Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez und der Ex-Präsident Boliviens Gonzalo Sánchez de Lozada beteiligen sich an der Erschließung kritischer Rohstoffe in Deutschland. Trotz des Booms fehlt es an Vorschriften, die sicherstellen, dass die Ressourcen der EU-Wirtschaft zugutekommen. Ökonomen fordern mehr staatliche Kontrolle über Exporte.
Deutschland strebt an, seine Abhängigkeit von Importen kritischer Rohstoffe wie Lithium, Kupfer und Zinn zu reduzieren, da der Bedarf für E-Mobilität und Technologie steigt. Derzeit importiert das Land Lithium zu 100 Prozent. Mehr als 50 Unternehmen haben Lizenzen für über 140 Felder erhalten, wobei zwei Drittel ausländische oder non-EU-Gesellschafter haben.
Drei prominente Investoren illustrieren die internationale Verflechtung. Florentino Pérez, 78-jähriger Präsident von Real Madrid und Chef der ACS-Gruppe mit einem geschätzten Vermögen von 5 Milliarden Euro, ist über ACS der größte Aktionär des australischen Unternehmens Vulcan Energy. Dieses plant die Lithiumförderung im Oberrheingraben bei Landau in der Pfalz, mit einer Kapazität von Zehntausenden Tonnen jährlich. Die ACS-Tochter Hochtief übernimmt Bauarbeiten. ACS hat den Umsatz seit 2000 verfünfzehnfacht auf 41,6 Milliarden Euro.
Gonzalo Sánchez de Lozada, 95-jähriger Ex-Präsident Boliviens (1993-1997, 2002-2003), der 2003 nach Protesten floh und 2023 eine Schadensersatzzahlung von 10 Millionen US-Dollar leistete, war 2017 Mehrheitsaktionär der panamaischen Minera S.A. Diese besitzt die KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH, die in Spremberg-Graustein-Schleife (Brandenburg) über 100 Millionen Tonnen Kupfererz fördern will. Bislang wurden 45 Millionen Euro investiert. Geschäftsführer Mauricio Balcazar ist Lozadas Schwiegersohn und Ex-Minister. Lokale Bürger befürchten Grundwasserverschmutzung und Bodensenkung; KSL hat ein Ladengeschäft in Spremberg eröffnet.
Titus Gebel, Systemkritiker aus Monaco, der freie Privatstädte propagiert, investiert über eine liechtensteinische Holding in die Deutsche Flussspat GmbH. Diese plant die Wiedereröffnung der Grube Käfersteige in Pforzheim (Baden-Württemberg) ab 2028 für Flussspat, ein kritisches Mineral für Elektronik und Textilien. Gebel betont: „Ich befürworte ausdrücklich die Stärkung der eigenen Rohstoffsicherheit.“
DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Vetorecht für Exporte in Konflikten: „Die Bundesregierung sollte ausländischen Unternehmen erlauben, hier kritische Rohstoffe abzubauen, aber ein Vetorecht für die Ausfuhr haben.“ Die EU zielt auf 10 Prozent heimische Förderung bis 2030 ab, doch ohne Verarbeitungskapazitäten droht der Verlust an den Weltmarkt, wie beim Zinnabbau der Saxore Bergbau in Sachsen, der mit australisch-chinesischen Ties verbunden ist.
Der Rohstofffonds der KfW, gestartet im November 2025, fördert Projekte wie Vulcan mit 354 Millionen Euro, unter der Bedingung, dass Ressourcen Europa zugutekommen.