Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wirft der Bundesregierung vor, zu zögerlich bei der Sicherung kritischer Rohstoffe wie Lithium und Kupfer vorzugehen. Es fehle an einer klaren Strategie, um Abhängigkeiten von Ländern wie China zu reduzieren. Der Verband fordert mehr Investitionen und schnellere Maßnahmen.
In Berlin hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Bundesregierung scharf kritisiert. Wolfgang Niedermark, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, erklärte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass die Politik zwar die Bedeutung des Themas erkannt habe, es jedoch an einer klaren Strategie mangele. Deutschland sei bei der Reduzierung einseitiger Abhängigkeiten kaum vorangekommen, und die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung und der EU seien erste Schritte, die nicht ausreichten.
Der BDI sieht ungenutzte Potenziale in Deutschland und Europa, darunter Vorkommen von Lithium, Kupfer und Seltenen Erden. Die Industrie besitze Spitzenkompetenzen in Förderung, Verarbeitung und Recycling. Industriepolitik müsse die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, von der Rohstoffgewinnung bis zum Endprodukt.
Konkret fordert der BDI ein klares Bekenntnis zur heimischen Rohstoffgewinnung, wettbewerbsfähige Energie- und Stromkosten sowie schnellere Genehmigungsverfahren. Es brauche „gezielte Anreize, damit in Deutschland gewonnene Rohstoffe auch hier verarbeitet, recycelt und abgenommen werden“. Ohne politische Flankierung seien Projekte kaum tragfähig. RND-Recherchen zeigten, dass vor allem ausländische Konzerne in Deutschland nach Rohstoffen suchten, ohne Verpflichtung, diese dem lokalen Markt zur Verfügung zu stellen.
Im internationalen Vergleich wirke Europa zu langsam, zu komplex und zu fragmentiert, warnte Niedermark: „In einem Systemwettbewerb reicht das nicht.“ China nutze seine Marktmacht strategisch, die USA zögen Projekte mit Subventionen an. Die Bundesregierung solle strategische Projekte entschlossener angehen, ähnlich dem Aufbau von LNG-Terminals. Nötig seien Investitionen in Wertschöpfungsketten und sicherheitspolitische Leitplanken. Ziel sei ein Rohstoffsicherheits-Ökosystem in Kooperation mit Partnern wie Australien, Kanada, Japan oder Großbritannien.