Die umfassende Sanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin verzögert sich aufgrund des harten Winters. Die Deutsche Bahn gibt an, dass der ursprüngliche Fertigstellungstermin am 30. April nicht eingehalten werden kann. Ein neuer Zeitplan soll am 13. März bekanntgegeben werden.
Die Sanierung der 280 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin, die seit Anfang August 2024 gesperrt ist, dauert länger als geplant. Ursprünglich waren neun Monate Bauzeit vorgesehen, doch der kalte Winter hat die Arbeiten behindert. „Wir müssen nach den letzten Tagen sagen, dass wir im Moment davon ausgehen, dass es nicht mehr möglich sein wird, zum 30. April in den Betrieb zu gehen“, erklärte Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand für Infrastrukturplanung und -projekte bei DB InfraGo.
Der härteste Winter seit 15 Jahren in Nord- und Ostdeutschland hat vor allem den Kabeltiefbau für Signal- und Stellwerksanlagen unmöglich gemacht. „Das ist das, wo wir extreme Schwierigkeiten und faktisch keinen Fortschritt haben“, sagte Bolte. Auch Arbeiten an Oberleitungen mussten verschoben werden. Bis Mitte Dezember waren rund 165 Kilometer Gleise, 241 Weichen, Schallschutzwände, Signale, Oberleitungen und Bahnsteige erneuert worden. Die schwierigste Phase, die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik mit Hunderten Kilometern Kabeln, Signalen und Weichenantrieben, steht nun bevor, gefolgt von einem mehrstufigen Prüfprozess.
Die Strecke durchquert fünf Bundesländer und ist eine der wichtigsten Pendlerverbindungen mit täglich 30.000 Fernverkehrsfahrgästen und 470 Zügen. Während der Sperrung wird der Fernverkehr über Stendal und Uelzen umgeleitet, was mindestens 45 Minuten längere Fahrzeiten bedeutet. Statt zwei Verbindungen pro Stunde gibt es nur eine, und Halte wie Ludwigslust und Wittenberge entfallen. Im Regionalverkehr verkehren viele Züge nur teilweise oder fallen aus; Pendler nutzen Ersatzbusse mit deutlich längeren Fahrzeiten. Der Güterverkehr muss Umwege in Kauf nehmen.
Die Verzögerung betrifft auch die geplante Sanierung der Strecke Hamburg-Hannover, die nun erst nach Abschluss des Hamburg-Berlin-Korridors beginnt. Dies ist Teil eines größeren Programms der Deutschen Bahn, bis Mitte der 2030er Jahre über 40 Schienenkorridore zu modernisieren, um das marode Netz zu verbessern und die Pünktlichkeit zu steigern. Die Riedbahn Frankfurt-Mannheim war 2024 der Auftakt.
Kritik kommt von Wettbewerbsbahnen: Peter Westenberger vom Verband Die Güterbahnen nannte die Verzögerung „ein einziges Trauerspiel“ und forderte bessere Planung. Die Bahn plant, mit zusätzlichen Teams den Rückstand aufzuholen. „Jeder Tag ist wichtig“, betonte Bolte. Ein neuer Zeitplan soll Reisende und Güterverkehr berücksichtigen.