Bruno Retailleau, Vorsitzender der Republikaner und Präsidentschaftskandidat für 2027, warf Emmanuel Macron in einem Interview mit dem JDD vor, eine 'willige Geisel der algerischen Erinnerungserpressung' zu sein. Er prangert die 'ideologische Abhängigkeit' des Präsidenten bei OQTF-Ausweisungen und der Visapolitik an. Retailleau kritisierte Macrons jüngste Äußerungen über 'Verrückte', die Algerien verärgern wollten, scharf.
In einem am Sonntag, dem 2. Mai 2026, veröffentlichten Interview mit Le Journal du Dimanche kritisierte Bruno Retailleau, ehemaliger Innenminister und Vorsitzender der Republikaner, Emmanuel Macron nach dessen Äußerungen während eines Besuchs in einem Krankenhaus in Ariège scharf. Der Präsident hatte auf 'Verrückte' verwiesen, die 'sich mit Algerien anlegen' wollten. 'Dieses Wort "Verrückter" hat im Mund eines Präsidenten nichts zu suchen: Es verrät einen Verlust der Gelassenheit und auch Verachtung', erklärte Retailleau.
Er beschuldigt Macron, dem algerischen Druck nachzugeben, und bezeichnet dies als eine 'Abdankung des französischen Stolzes'. Retailleau prangert die Weigerung Algeriens an, seine Staatsbürger trotz des Abkommens von 1994 im Rahmen von OQTF-Verfahren zurückzunehmen. 'Schützen wir sie, indem wir akzeptieren, dass gefährliche Personen unter OQTF-Status nicht zurückgenommen werden? Nein, und der Anschlag von Mulhouse hat es gezeigt', erklärt er. Ihm zufolge machen Algerier über 40 % der Hochrisikoprofile in Abschiebehaftzentren aus.
Retailleau weist Macrons Argument bezüglich algerischer Ärzte in Frankreich als 'falschen Vorwand' zurück und kritisiert die Erinnerungspolitik des Präsidenten, die mit seiner Rede zur Kolonialisierung von 2017 verknüpft sei. Er plädiert für eine Visareziprozität: 'Die Ausstellung von Visa sollte proportional zum Grad der Kooperation der Herkunftsländer bei Rückführungen erfolgen.' Im Jahr 2025 stellte Frankreich trotz spärlicher konsularischer Passersatzpapiere über 200.000 Visa für Algerier aus.
Er bewertet die Ergebnisse des Dialogs mit Algier als 'sehr schwach: weniger als einhundert vollstreckte OQTF seit Jahresbeginn' und fordert die Aufkündigung des französisch-algerischen Abkommens von 1968, welches er als 'zutiefst unausgewogen' bezeichnet. 'Frankreich muss respektiert und die Franzosen geschützt werden', schließt er.