Die Erste Kammer des Oberlandesgerichts Santiago hat einstimmig die kapitelweise Klage gegen die ehemalige Oberste-Richterin Ángela Vivanco im Fall des belarussischen Komplotts angenommen. Dies ermöglicht dem öffentlichen Ankläger, Anklage zu erheben und Sicherheitsmaßnahmen zu beantragen. Beweise deuten darauf hin, dass Vivanco Zahlungen annahm, um das Unternehmen CBM in einem Streit mit Codelco zu begünstigen.
Das Oberlandesgericht Santiago traf am Mittwoch eine entscheidende Entscheidung, indem es die Klage der Regionalstaatsanwältin von Los Lagos, Carmen Gloria Wittwer, gegen Ángela Vivanco annahm. Das einstimmige Urteil der Ersten Kammer, bestehend aus den Richtern Fernando Carreño, Guillermo de la Barra und dem Ersatzrichter Fernando Valderrama, stellt fest, dass es «ernste, präzise und übereinstimmende Anhaltspunkte» für die mutmaßlichen Tatsachen gibt.
Laut dem Urteil nahm Vivanco, unter Ausnutzung ihrer Position als Richterin am Obersten Gericht, wirtschaftliche Gegenleistungen von den Anwälten Eduardo Lagos und Mario Vargas an, Vertretern des chilenisch-belarussischen Unternehmens CBM, mit denen sie seit mindestens 2022 befreundet war. Diese Zahlungen sollten CBM im gerichtlichen Streit mit Codelco in den Jahren 2023 und 2024 begünstigen, ohne sich zu recusieren und indem sie in Schlüsselfällen wie Aktenzeichen Nr. 141.421-2023 und Nr. 1.150-2024 zu dessen Gunsten stimmte.
Das Gericht erläutert, dass Vivanco Geld für sich und ihren Partner Gonzalo Migueles erhielt und dabei Verfahrensregeln verletzte, wie im Bericht der Ethikkommission festgehalten. Obwohl der Ersatzrichter Valderrama vorschlug, die Klage als unzulässig abzuweisen wegen mangelnder sachlicher Zuständigkeit unter dem Argument, dass Vivanco keine besondere Immunität mehr habe, setzte sich dieser Vorschlag nicht durch.
Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass dieses Urteil die Strafverfolgung vorantreibt, während auf einen möglichen Einspruch der Verteidigung beim Obersten Gericht gewartet wird. Die Ex-Ministerin, die zuvor durch ein internes Disziplinarverfahren entfernt wurde, steht nun vor einem Schritt zur Formalisierung in diesem Justizkorruptionsskandal.