Mitglieder des Kollektivs Juives et juifs révolutionnaires kritisieren in einem Gastbeitrag in Le Monde ein Gesetzesvorhaben zur Bekämpfung neuer Formen des Antisemitismus und werfen ihm vor, Antisemitismus mit Antizionismus zu vermischen. Sie argumentieren, dass dieses Vorhaben den Kampf gegen Antisemitismus schwächt, indem es Solidarität mit Palästinensern gegen die Verurteilung rassistischer Handlungen ausspielt. Sie plädieren für eine starke gesellschaftliche Reaktion statt einer repressiven Politik.
Ein kürzlicher Anstieg antisemitischer Handlungen in Frankreich erfordert eine robuste gesellschaftliche Reaktion, vergleichbar mit der gegen jede Form von Rassismus. Dennoch stößt der von Abgeordneter Caroline Yadan, der Fraktion Renaissance zugehörig, eingebrachte Gesetzentwurf, der am Montag, dem 26. Januar, zur ersten Lesung in der Nationalversammlung ansteht, auf Kritik wegen seines Ansatzes. In einem Gastbeitrag in Le Monde argumentieren Mitglieder des Kollektivs Juives et juifs révolutionnaires, dass dieses Gesetz, betitelt „zur Bekämpfung neuer Formen des Antisemitismus“, bestehende Verwechslungen verschärft. Sie weisen darauf hin, dass bestimmte antisemitische Diskurse sich als antizionistische Kritik tarnen, indem sie „Zionisten“ oder dem CRIF übermäßige Macht zuschreiben oder rassistische Mythen wie Ritualmorde unter dem Deckmantel der Verurteilung Israels recyceln. Die Autoren erklären: „Weit davon entfernt, einen gesellschaftlichen Konsens im Kampf gegen Antisemitismus aufzubauen, trägt [dieser Vorschlag] dazu bei, ihn zu schwächen, indem er die bereits wirkenden Verwechslungslogiken verstärkt.“ Sie lehnen eine künstliche Gegenüberstellung von Antisemitismusbekämpfung und Solidarität mit Palästinensern ab, die von Akteuren aus Linken und Rechten geschürt wird. Statt den Antizionismus zu kriminalisieren, der vage sein und die öffentlichen Freiheiten einschränken könnte, fordern sie Gewerkschaften, Kollektive und linke Parteien auf, antisemitische Themen eindeutig zu verurteilen, um eine authentische antikoloniale Sache zu wahren. Diese Kritik beleuchtet Spannungen bei der Definition von Antisemitismus inmitten des Nahostkonflikts, wo die Verbreitung rassistischer Tropen nur Frieden und Gerechtigkeit behindert.