Der zweite Testflug der deutschen Spectrum-Trägerrakete von Isar Aerospace wurde am Mittwochabend kurz vor dem Start vom norwegischen Raumhafen Andøya abgebrochen. Der Countdown stoppte überraschend nur Sekunden vor der geplanten Zündung der Triebwerke. Die genauen Gründe sind zunächst unklar.
Die Mission „Onward and Upward“ sollte der erste Start der Spectrum-Rakete mit mehreren Kleinsatelliten an Bord sein. Der Versuch fand am 25. März 2026 um etwa 21:21 Uhr Ortszeit statt, wurde jedoch etwa 20 Minuten nach Ende des Countdowns gestoppt. Laut Live-Übertragung wurde ein Boot in der Sicherheitszone um die Startbasis entdeckt, was zu dem Abbruch beigetragen haben könnte. Isar Aerospace-Chefingenieur Nikolaos Perakis erklärte im Livestream, dass alle Systeme der Rakete im grünen Bereich gewesen seien und nun die Ursache geprüft werde. Die Entscheidung zum Abbruch sei vermutlich vom Computer gekommen, da die Rakete in den letzten Sekunden des Countdowns die Kontrolle übernimmt, wie CEO Daniel Metzler zuvor im Handelsblatt sagte: „Mit dem Launch in den letzten Sekunden des Countdowns übernimmt die Rakete die volle Kontrolle des Launchpads.“ Vor dem Start betonte Metzler: „Wir wollen signifikanten Fortschritt zeigen.“ Der Start war zuvor mehrmals wegen ungünstiger Wetterbedingungen verschoben worden. Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München, gegründet 2018, hat über 500 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Die zweistufige, 28 Meter hohe Spectrum-Rakete mit zehn Triebwerken soll Nutzlasten bis 1000 Kilogramm in erdnahe Umlaufbahnen bringen. Beim ersten Test im März 2025 hob die Rakete von Andøya ab, stürzte aber nach 30 Sekunden ins Meer. Dieser Start war der erste einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. VC-Investor Nico Rosberg kommentierte: „Auch bei SpaceX gehörten Startabbrüche zum Weg ins All. Die Rakete steht, die Technik ist da, der nächste Versuch kommt.“ Der ehemalige ESA-Chef Jan Wörner unterstrich die Bedeutung europäischer Souveränität in der Raumfahrt.