Der grausame Tod des Gemeindehundes Orelha durch Teenager in Santa Catarina löste einheitliche Empörung in sozialen Medien aus und drängte die Behörden zur Gerechtigkeit. Der Online-Eifer führte jedoch zu virtuellem Vigilantismus, der einen unschuldigen Teenager fälschlich anklagte und die Gefahren von Internetprozessen aufzeigte. Die Polizei behandelt ihn nun als Zeugen, während die Untersuchung weitergeht.
Die Folter und der Tod des Gemeindehundes Orelha, verübt von einer Gruppe von Teenagern am Praia Brava in Santa Catarina, vereinte Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen in gemeinsamer moralischer Empörung. Der Journalist Glenn Greenwald wies in einer Kolumne der Folha de S.Paulo darauf hin, wie diese anfängliche Wut positiv war, um Behörden unter Druck zu setzen, aber bald in ein gefährliches „Internetgericht“ umschlug. Anonyme Accounts verbreiteten Namen, Fotos und Adressen von vier Teenagern, zwangen sie zur Flucht aus Angst vor körperlicher Gewalt und zerstörten ihren Ruf. Die Polizei von Santa Catarina veröffentlichte keine Namen offiziell, da die Untersuchung läuft und einige Verdächtige minderjährig sind. Ein online angeklagter Jugendlicher taucht jedoch nicht in den analysierten Aufnahmen auf, und seine Eltern legten Beweise vor, dass er nicht anwesend war. Ein Gericht befahl die Entfernung der illegalen Posts, doch der Schaden war bereits angerichtet. Greenwald betonte: „Es ist besser, dass zehn Schuldige entkommen, als dass ein Unschuldiger leidet“, zitiert den Juristen William Blackstone. Der Anwalt Rodrigo Duarte da Silva, Vertreter zweier Familien, sagte im Globo-Format Fantástico: „Wir hoffen, dass die Wahrheit ans Licht kommt“ und dass Unschuldige öffentlich entlastet werden, während Schuldige angemessene Verantwortung tragen. Die Zivilpolizei durchsuchte Häuser, analysierte etwa 1.000 Stunden Überwachungsvideo und sammelte Zeugenaussagen. Die Delegada Mardjoli Valcareggi von der Tier-Schutz-Polizeistation leitet den Fall mit dem Kriminalermittlungsdepartement und der Staatsanwaltschaft. Jenseits der Tierquälerei, die für Minderjährige sozio-erzieherische Maßnahmen nach dem Kind- und Jugendgesetz nach sich ziehen kann, untersuchen die Ermittler weitere Taten wie Diebstähle und Vandalismus. Erwachsene, die des Zeugenzwangs verdächtig sind, drohen bis zu vier Jahre Gefängnis.