Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hält US-Präsident Donald Trump trotz eines kürzlich vereinbarten Grönland-Deals für weiterhin unberechenbar. Er rät Europa, nicht in Angst zu verfallen, sondern stärker auf eigene Stärke zu setzen. Die USA seien ebenso von Europa abhängig wie umgekehrt.
In einem Interview äußerte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius zur Unvorhersehbarkeit von Donald Trump nach dem Grönland-Deal, den NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgeschlagen hatte, um Trumps Annexionspläne für die dänische Insel zu stoppen. „Das wissen wir nicht. Die Unvorhersehbarkeit wird immer unvorhersehbarer“, sagte Pistorius. Vor einem Monat habe niemand militärische Gewalt in Betracht gezogen.
Pistorius betonte, Europa dürfe nicht wie ein Kaninchen auf die Schlange starren, sondern müsse souveräner und unabhängiger werden. Zum Deal selbst erklärte er, es gebe nichts Neues zu vereinbaren: Das Abkommen zwischen USA und Dänemark von 1951 gelte weiter. Die USA hatten damals bis zu 10.000 Soldaten auf Grönland, heute seien es etwa 200, die jederzeit aufgestockt werden könnten. Die NATO trage zur Arktissicherheit bei und habe ihr Engagement wegen der russischen Bedrohung intensiviert, unter anderem durch eine maritime Partnerschaft mit Dänemark, Norwegen, Kanada und Island vor 1,5 Jahren.
Bei einer Annexion eines NATO-Partners wie Grönland wäre das Bündnis obsolet, warnte Pistorius. Trump setze auf Verunsicherung, doch Europa übernehme schrittweise die konventionelle Verteidigung. Der US-nukleare Schutzschirm bleibe unangetastet. Die gegenseitige Abhängigkeit sei entscheidend: „Die Amerikaner brauchen Europa so, wie die Europäer die Amerikaner brauchen.“ Europa habe geostrategische und geoökonomische Bedeutung für Washington; ein Rückzug der USA würde sie zwischen Russland und China positionieren.
Zum NATO-Vertrauen verglich Pistorius die Allianz mit einer 20-jährigen Ehe in der Krise: Es gebe eine gemeinsame Basis, keine Anzeichen für einen US-Austritt. Nur Wladimir Putin profitiere von der Debatte. Die US-Basis in Ramstein unterstreiche das US-Interesse an der Partnerschaft, als zentrales Drehkreuz außerhalb Amerikas.