Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Weihnachtsansprache für ein selbstbewusstes Europa geworben und Solidarität mit der Ukraine betont. Er sprach von Licht in der Dunkelheit und forderte offenen Dialog in Zeiten von Krisen und Unsicherheiten. Die Ansprache wird traditionell zu Weihnachten ausgestrahlt.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hielt seine Weihnachtsansprache im Schloss Bellevue in Berlin auf. In der Videobotschaft, die am 25. Dezember um kurz nach 19 Uhr im ZDF und eine Stunde später in der ARD ausgestrahlt wird, thematisierte er Licht und Dunkelheit als zentrale Motive.
Dunkelheit umfasse persönliche Krisen, Kriege, gesellschaftliche Probleme und Unsicherheiten über die Zukunft, erklärte Steinmeier. Licht entstehe durch Gemeinschaft in Familien, Gruppen oder Vereinen, durch Engagement für eine bessere Welt und das Gefühl, angenommen zu werden.
Bezogen auf den russischen Krieg gegen die Ukraine, der seit fast vier Jahren andauert, sprach der Präsident von intensiven Verhandlungen in den vergangenen Tagen, um Wege zu einem Ende zu finden. Viele hätten diese Entwicklungen erwartungsvoll, skeptisch und besorgt verfolgt. Als hoffnungsvolles Zeichen sah er, dass Europäer sich ihrer Stärke und Werte – Freiheit, Menschenwürde, Frieden und demokratische Selbstbestimmung – neu bewusst würden. „Das geben wir nicht auf“, sagte Steinmeier. Der Einsatz dafür verlange Opfer, doch „dazu müssen wir bereit sein – und ich glaube, dazu sind wir bereit“.
Steinmeier appellierte an offenen Dialog: „Orientierung gewinnen durch echtes Fragen, durch Offenheit, durch Gespräch und durch gemeinsames Tun – das kann den vor uns liegenden Weg erhellen und ihm Richtung geben.“ Er ermutigte, anderen zuzuhören und das eigene Denken zu hinterfragen, um Gemeinschaft zu stärken. Weihnachten sei Gelegenheit, private Bindungen zu festigen, die Halt geben und in die Pflicht nehmen.
Die Tradition der Weihnachtsansprache durch den Bundespräsidenten besteht seit über einem Jahrhundert und wurde von Gustav Heinemann und Willy Brandt etabliert. Am 31. Dezember folgt Bundeskanzler Friedrich Merz mit der Neujahrsansprache.