Angesichts einer tödlichen Kältewelle in Deutschland hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Politik aufgefordert, sich nicht mit der Obdachlosigkeit abzufinden. Mindestens vier Obdachlose starben in diesem Winter an den Folgen extremer Kälte. Steinmeier dankt zudem den ehrenamtlichen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz.
Berlin. Die jüngste Kältewelle hat das Leid der Obdachlosen in Deutschland besonders scharf beleuchtet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wies in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf die dramatische Situation hin. „Die Kältewelle zeigt besonders dramatisch, was jeden Tag unerträglich ist: dass Zehntausende Menschen in Deutschland auf der Straße leben müssen“, sagte er. „Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, und das zu ändern, ist Aufgabe der Politik.“
Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in diesem Winter bereits mindestens vier obdachlose Menschen an den Folgen extremer Kälte gestorben. Die Bundesregierung schätzt, dass mehr als 531.000 Menschen wohnungslos sind, davon rund 47.000 ganz ohne Obdach und auf der Straße schlafend. Wohlfahrtsverbände haben angesichts der Minusgrade ihre mobilen Hilfen wie Kältebusse, Nachtcafés und zusätzliche Übernachtungsplätze verstärkt, warnen jedoch, dass das Angebot oft nicht ausreicht. Der Sozialverband VdK kritisiert geplante Verschärfungen in der Grundsicherung, die die Armut verschärfen würden.
Steinmeier bedankte sich ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen. „Die verlässliche Hilfe der vielen Initiativen vor Ort bleibt unersetzlich“, betonte er. „Deshalb geht mein Dank in diesen eisigen Nächten an alle Helferinnen und Helfer in den Notunterkünften, Suppenküchen und Kältebussen, die bis spät in die Nacht unterwegs sind, um Leben zu retten.“ Der Präsident hat das Thema wiederholt aufgegriffen, etwa durch das Verteilen von Suppe oder Einladungen Betroffener ins Schloss Bellevue. „Ich bin selbst im Berliner Kältebus mitgefahren und weiß: Diese Menschen leisten Außerordentliches“, sagte er. Die Helfer seien „ein starkes und sichtbares Zeichen der Mitmenschlichkeit in unserer Gesellschaft“.
Zusätzlich appellierte Steinmeier an die breite Öffentlichkeit: „In der akuten Krise kann aber auch jede und jeder Einzelne einen Unterschied machen: ein freundliches Wort, ein warmes Getränk, das Gefühl, nicht übersehen zu werden.“