Am Wochenende führte starker Schneefall in Norddeutschland zu massiven Störungen im öffentlichen Nahverkehr und zahlreichen Autounfällen. Busse standen in Städten wie Hannover, Oldenburg und Lüneburg still, während Züge ausfielen oder sich verspäteten. Experten diskutieren, ob der Norden aufgrund geringerer Erfahrung schlechter für Wintereinbrüche gerüstet ist als der Süden.
Der Wintereinbruch am Wochenende brachte in Norddeutschland Frust und Freude gleichermaßen: Während Kinder auf Rodelhängen jubelten, kämpften Autofahrer mit Glätte und eingestellten Bussen. In Hannover wurde der Busverkehr von Samstagabend bis Sonntagmittag komplett eingestellt, ähnlich in Oldenburg und Lüneburg ab Samstagnachmittag. Viele Bahnverbindungen in Niedersachsen und Bremen fielen aus oder verspäteten sich stark. Auf den Straßen gab es allein in Hannover 74 Unfälle durch Schnee und Glätte.
So mancher Autofahrer klagte: „Sobald ein paar Schneeflocken fallen, funktioniert im Norden nichts mehr.“ Tatsächlich fiel mehr Schnee als erwartet: In Hamburg 13 Zentimeter Neuschnee, in München nur 2 Zentimeter, und in Nordholz sogar 22 Zentimeter, berichtet Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterkontor gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Er erklärt die intensiveren Niederschläge mit einem großräumigen Kaltluftgebiet über Mitteleuropa und der Nähe zu warmen Meeren, die mehr Feuchtigkeit liefern.
Warum kämpft der Norden stärker? „Der Eindruck ist sicherlich nicht ganz falsch, dass es im Norden immer ein bisschen mehr Probleme gibt“, sagt Horst Hanke, Bauingenieur und Winterdienstexperte im Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Schnee sei im Norden seltener, was zu weniger Übung bei Fahrern und Personal führe. Ein Streuwagenfahrer könnte drei Jahre keinen Einsatz haben, im Süden seien es jährlich 20. Städte und Gemeinden tragen die Verantwortung für öffentliche Straßen, dürfen aber Pflichten auf Anlieger übertragen – oft für Gehwege. Hanke kritisiert mangelnde Einhaltung durch Anlieger und seltene Bußgelder sowie Salzverbote in manchen Städten aus Umweltschutzgründen, gegen die Gerichte entschieden haben.
Busausfälle auf Hauptstraßen seien vermeidbar, da Städte priorisieren müssen. Manche Kommunen sparen an Ausrüstung, erwarten weniger Schnee – doch die gesetzliche Pflicht bleibt bestehen.