Das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“ hat den Sozial Wohn-Monitor 2026 vorgestellt, der einen akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland aufzeigt. Aktuell fehlen rund 1,4 Millionen Mietwohnungen, was besonders Studierende und Zuwanderer trifft. Experten warnen vor einem sozialen Desaster, das den Fachkräftemangel verschärfen könnte.
Das Verbändebündnis „Soziales Wohnen“, zu dem der Deutsche Mieterbund, die IG Bauen-Agrar-Umwelt, die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau sowie der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel gehören, hat am Donnerstag den Sozial Wohn-Monitor 2026 auf Basis einer Studie des Pestel Instituts veröffentlicht. Der Bericht beleuchtet die Wohnungsmarktsituation, Bedarfe und den Stand des sozialen Wohnungsbau.
Laut Pestel Institut leben 75 Prozent der Auszubildenden bei ihren Eltern, da bezahlbarer Wohnraum fehlt. Viele Studierende verzichten auf ihr Wunschstudium vor Ort, was den Fachkräftemangel langfristig fördere, sagte Matthias Günther, Geschäftsführer des Instituts. Studierende in eigenen Wohnungen geben durchschnittlich 53 Prozent ihres Einkommens für Miete aus. Ähnlich wirkt sich der Mangel auf Zuwanderer aus: „Arbeitskräfte benötigen Wohnraum. Wenn wir dieses Problem nicht lösen, wird es für Deutschland schwarz aussehen“, warnte Janina Bessenich, Bundesgeschäftsführerin der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. Sie sieht ein „soziales Desaster“ heraufziehen, das die Wirtschaft bremsen könnte.
Um den Rückstand bis 2030 auszugleichen, müssten jährlich 410.000 Wohnungen gebaut werden. 2024 entstanden nur 250.000, für 2025 werden 210.000 bis 230.000 erwartet. Die Überbelegung hat zugenommen: 2015 betraf sie 5,7 Millionen Menschen, 2024 sind es 9,6 Millionen (11,5 Prozent).
Besonders kritisch ist die Lage bei Sozialwohnungen: Von 23 Millionen Miethaushalten haben 11 Millionen Anspruch, doch es gibt nur eine Million solcher Wohnungen, Tendenz fallend. Einkommensgrenzen liegen bei 12.000 bis 16.800 Euro für Singles und 18.000 bis 25.200 Euro für Paare, mit Zuschlägen für Kinder oder Behinderte. Trotz verdreifachter Fördermittel – von 973,9 Millionen Euro 2020 auf 3,5 Milliarden 2025 – stieg die Zahl der Sozialwohnungen nur um 32 Prozent. Günther betonte, dies liege nicht allein an Baukosten.
Ein Problem ist die verzögerte Auszahlung: Für 2025 fließen nur 15 Prozent im laufenden Jahr, 25 Prozent 2026 und 60 Prozent bis 2029. Länder müssen vorfinanzieren, was Haushalte belastet. Oppositionspolitikerin Hanna Steinmüller (Grüne) kritisierte: „Der soziale Wohnungsbau ist ein Fass ohne Boden. Die Wohnungspolitik der Bundesregierung verfehlt ihre Ziele.“ Sie fordert Reformen mit dauerhaften Sozialbindungen und verlässlicher Förderung.