Bauzinsen steigen auf 3,85 Prozent und könnten 2026 weiter anziehen

Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen haben in Deutschland ihren höchsten Stand seit über zwei Jahren erreicht und liegen nun im Schnitt bei 3,85 Prozent. Dieser Anstieg hängt mit steigenden Renditen für Bundesanleihen zusammen, die zuletzt bei 2,87 Prozent lagen. Experten prognostizieren für 2026 einen weiteren moderaten Aufwärtstrend.

Wer in Deutschland ein Haus kaufen oder bauen möchte, muss mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Laut dem Münchner Kreditvermittler Interhyp liegen die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen derzeit im Schnitt bei 3,85 Prozent – der höchste Wert seit gut zwei Jahren. Anfang 2025 betrug der Durchschnitt noch 3,15 Prozent, bevor die Raten im Laufe des Jahres auf rund 3,5 Prozent anstiegen und nun wieder klettern.

Der Grund für den jüngsten Anstieg liegt in der Renditeentwicklung der zehnjährigen Bundesanleihen, die zuletzt kräftig auf 2,87 Prozent gestiegen ist. Bauzinsen orientieren sich eng an diesen Renditen, da Banken ihr Geld oft über Pfandbriefe beschaffen, deren Konditionen mit den Bundesanleihen korrelieren. „Bei den Bauzinsen ist Realismus gefragt. Mit den geplanten wachsenden Haushaltsdefiziten und dem Sondervermögen stehen ab 2026 deutlich erhöhte Anleiheemissionen bevor“, warnte Interhyp-Vertriebsvorständin Mirjam Mohr in einer Aussage gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Sie fügte hinzu: „Wenn der Staat mehr Geld am Kapitalmarkt aufnehmen muss, steigen die Renditen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Baufinanzierungen haben kaum noch Luft nach unten, sondern werden tendenziell teurer.“

Für die kommenden Wochen erwartet Mohr einen moderaten Anstieg in Richtung vier Prozent, mit möglichen Schwankungen. Der Lübecker Kreditvermittler Dr. Klein teilt diese Einschätzung und sieht einen leichten Aufwärtstrend. Parallel dazu steigen die Immobilienpreise: Nach einem Rückgang ab Ende 2022 drehten sie 2024 um und legten im vergangenen Jahr um rund drei Prozent zu. „Es gibt keine Anzeichen, dass die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt nachlässt. Im Gegenteil, es wird nach wie vor zu wenig neu gebaut und das Angebot an Bestandsobjekten bleibt in gefragten Regionen gering“, sagte Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender bei Dr. Klein. Für 2026 hält er ein Plus von drei Prozent für realistisch, in Metropolen bis zu vier oder fünf Prozent.

Positive Signale gibt es bei den Baugenehmigungen: Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen sie im Oktober 2025 um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der fünfte Monat in Folge mit Zuwachs. Dennoch warnt der Bauindustrieverband HDB, dass eine Trendwende erst 2027 eintreten könnte. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft schätzt für 2026 nur 215.000 Neubauwohnungen, während bis 2030 jährlich 320.000 benötigt werden, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ermittelt hat.

Die Nachfrage nach Immobiliendarlehen wächst: Der Verband deutscher Pfandbriefbanken meldet ein Volumenplus von 18,2 Prozent von Januar bis September 2025, hauptsächlich für Wohnimmobilien. „Das Immobilienfinanzierungsgeschäft unserer Mitgliedsinstitute belebt sich spürbar – trotz weiter bestehender Herausforderungen im Immobilienmarkt“, betonte VDP-Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Dies betrifft vor allem Bestandsobjekte, nicht Neubauten, was auf anhaltende Engpässe hinweist und Mieten in Großstädten weiter steigen lässt.

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