Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat eingeräumt, am ersten Tag des großen Stromausfalls Tennis gespielt zu haben, während Tausende ohne Strom und Heizung litten. Der Vorfall, ausgelöst durch einen mutmaßlichen Brandanschlag linksextremistischer Gruppen, hat zu scharfer Kritik und Rücktrittsforderungen geführt. Wegner betont, er sei erreichbar gewesen und habe weitergearbeitet.
Am Samstagmorgen ereignete sich in Berlins Südwesten, speziell im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke, zu dem sich eine linksextremistische Gruppe bekannte. Dadurch fiel der Strom für zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen aus, was rund 100.000 Menschen betraf. Betroffene saßen mitten im Winter ohne Heizung, Internet und Mobilfunkempfang. Berlin rief eine Großschadenslage aus und bat die Bundeswehr um Amtshilfe.
Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU, 53) wurde kurz nach 8 Uhr informiert und führte Telefonate mit dem Kanzleramt, dem Innenministerium und Senatsverwaltungen, um Hilfe zu organisieren. Er kreditiert sich, dass durch sein Engagement Bundesunterstützung, einschließlich der Bundeswehr, rasch eintraf. Dennoch war er am Vormittag nicht vor Ort. Stattdessen spielte er von 13 bis 14 Uhr Tennis mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), um "den Kopf freizubekommen". Wegner betonte gegenüber Welt TV: "Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet."
Am Sonntag besuchte Wegner erstmals eine Notunterkunft und sagte auf Journalistenfragen: "Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu koordinieren." Später räumte er im RBB ein: "Rückblickend hätte ich das am Sonntag sagen sollen, was ich am Samstag gemacht habe, aber mein Fokus waren die 45.000 Haushalte."
Der Ausfall dauerte bis Mittwoch, als Stromnetz Berlin die Versorgung vollständig wiederherstellte. Wegners Verhalten löste Empörung aus. AfD-Chefin Kristin Brinker und FDP-Politiker forderten seinen Rücktritt, da er die Krise nicht ernst genommen habe. Linken-Landeschef Maximilian Schirmer sagte: "Wer lieber Tennis spielt, als in der größsten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist." SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach kritisierte: "Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt." Grünen-Kandidat Werner Graf betonte höhere Ansprüche an den Bürgermeister. Wegner wies Rücktrittsforderungen zurück: "Dass die Opposition das jetzt sagt, das kann ich ja nicht verhindern."
Acht Monate vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September wird der Vorfall Wahlkampfmunition für die Opposition. Wegner hatte zuvor Kritik für sein verspätetes Erscheinen vor Ort kassiert, da es im Krisengebiet keinen Empfang gab.