Drei Tage nach einem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde hat die Bundesanwaltschaft die Untersuchungen übernommen. Der Anschlag führte zum längsten Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte der Hauptstadt und betraf Zehntausende Haushalte. Die Behörden gehen von einem terroristischen Motiv aus, basierend auf einem authentischen Bekennerschreiben der Vulkangruppe.
Der Brandanschlag ereignete sich am Samstagmorgen an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal im Südwesten Berlins, nahe dem Gaskraftwerk in Lichterfelde. Zunächst waren 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Am Dienstag, dem vierten Tag des Blackouts, betrafen noch rund 25.500 Haushalte und 1.200 Geschäfte den Ausfall, wie der Betreiber Berlin Stromnetz mitteilte. CEO Bernhard Büllmann und Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) versprachen, die Versorgung bis Donnerstag wiederherzustellen. Die Tiefbauarbeiten für provisorische Kabelverbindungen seien abgeschlossen, und man liege „sehr gut im Zeitplan“, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bestätigte die Authentizität eines Bekennerschreibens der sogenannten Vulkangruppe, die sich gegen die fossile Energiewirtschaft richtet. Das Schreiben trägt den Titel „Den Herrschenden den Saft abdrehen“ und enthält Passagen wie: „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, verbrannt, vergewaltigt, zerstört.“ Die Gruppe, dem anarchistischen Spektrum der Linksextremisten zugeordnet, ist seit 2011 in Berlin und Brandenburg aktiv und hat sich zu elf Tatkomplexen bekannt, mit weiteren Fällen.
Die Polizei erhielt mittlerweile zweistellige Hinweise, acht davon erfolgversprechend, und sicherte Hunderte Stunden Videomaterial. Im Bundestag plant das Innenministerium eine telefonische Unterrichtung für den Innenausschuss. Online-Spekulationen über russische Beteiligung wies die Polizei zurück.
Für Betroffene gibt es Hilfsmaßnahmen: Drei Schwimmbäder öffnen rund um die Uhr für Duschen, die Bundeswehr unterstützt mit Notstromaggregaten, Essen und Transport. Etwa 20 Schulen bleiben geschlossen, Hotelkosten werden erstattet. Der Anschlag offenbart Schwachstellen: Öffentliche Karten zeigen Kabelverläufe, was der Senat einschränken will. Innensenatorin Spranger: „Details über unser Stromnetz gehören nicht in die Öffentlichkeit.“ Sicherheitsexperte Manuel Atug hält dies jedoch für populistisches Gerede und plädiert für Redundanzen im Netz. Berlin plant mehr Videoüberwachung, Sensoren und KI zur Früherkennung.