Die argentinische Forscherin Soledad Palameta Miller, Professorin an der Universität Campinas (Unicamp), wurde am 23. März 2026 auf frischer Tat festgenommen, weil sie angeblich Virusproben aus einem Labor der Biosicherheitsstufe 3 (NB3) gestohlen und unsachgemäß entsorgt hatte. Sie muss sich wegen Gefährdung von Menschenleben und prozessualen Betrugs verantworten, wurde jedoch am nächsten Tag vorläufig auf freien Fuß gesetzt.
Soledad Palameta Miller, 36, Biotechnologin und seit 2025 Dozentin an der Fakultät für Lebensmitteltechnik (FEA) der Unicamp, leitet das Labor für Lebensmittelvirologie und Biotechnologie, in dem sie zu lebensmittel- und wasserübertragbaren Viren forscht. Gegen sie wird auf Bundesebene wegen des Diebstahls biologischen Materials ermittelt – dabei geht es um Erreger wie das aviäre Pneumovirus und das Virus der infektiösen Bronchitis –, das sie aus dem Labor für Virologie und angewandte Biotechnologie (auch bekannt als Tier-Virologie-Labor) am Institut für Biologie der Unicamp entwendet haben soll. Dies ist eines der 12 NB3-Labore Brasiliens, die laut Gesundheitsministerium strengen Protokollen für hohe Ansteckungsrisiken unterliegen.
Die Proben verschwanden im Februar 2026. Ein Bericht der Anhörung vor dem Bundesgericht, der der Zeitung Folha de S.Paulo vorliegt, enthüllte, dass sie an unbefugten Orten entsorgt wurden: in Abfallbehältern des Zellkulturlabors sowie in Gefrierschränken nach unsachgemäßer Handhabung ohne Einhaltung der Protokolle. Ein Bundespolizist berichtete, dass Palameta Miller die Labore an einem Wochenende aufgesucht habe, begleitet von einem Masterstudenten, der ihr die Türen öffnete.
Die Festnahme erfolgte in der Rua Bortolo Martins in Barão Geraldo, Campinas (SP), als sie sich in beunruhigtem Zustand auf den Weg zu einem medizinischen Zentrum machte. Bundespolizei und Teams der Unicamp lokalisierten die Proben zeitgleich, wodurch die Tat auf frischer Tat nachgewiesen werden konnte. Sie wurde in das Frauengefängnis von Mogi Guaçu gebracht, jedoch am 24. März vom Bundesgericht wieder freigelassen.
Ihr Anwalt, Pedro de Mattos Russo, bestritt den Diebstahl und erklärte, sie habe die Einrichtungen des Instituts für Biologie genutzt, da ihr an der FEA ein eigenes Labor fehle. Die Unicamp versicherte, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um den Fall aufzuklären. Die Brasilianische Gesellschaft für Virologie betonte, dass die Biosicherheitsmaßnahmen eine schnelle Entdeckung und Eindämmung des Risikos ermöglicht hätten.
Die sichergestellten Proben wurden mit Unterstützung der Anvisa an das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht überstellt.