Das Garantiekontrollgericht von Valdivia lehnte am Montag die vom Sicherheitsministerium beantragte Untersuchungshaft sowie den von der Staatsanwaltschaft geforderten nächtlichen Hausarrest für drei Studenten der Universidad Austral de Chile ab, denen ein tätlicher Angriff auf die Wissenschaftsministerin Ximena Lincolao zur Last gelegt wird. Stattdessen ordnete das Gericht ein nationales Ausreiseverbot, ein Kontaktverbot zum Opfer sowie eine zweiwöchentliche Meldepflicht bei einer Untersuchungsfrist von 120 Tagen an. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit Rechtsmittel.
Der Vorfall ereignete sich am 8. April während der Eröffnungsfeier des akademischen Jahres an der Universidad Austral de Chile in Valdivia. Ministerin Lincolao und ihre Begleiter wurden aufgrund von Protesten gegen ihre Person zwei Stunden lang festgehalten. Beim Verlassen des Geländes kam es laut den Ermittlungen der Policía de Investigaciones (PDI) zu Schubsereien, Würfen von Gegenständen und Übergriffen, bei denen die Ministerin verletzt wurde.
Am Montag erhob das Garantiekontrollgericht in Valdivia formell Anklage wegen tätlichen Angriffs auf eine Amtsperson gegen die drei Studenten. Das Sicherheitsministerium forderte als Nebenkläger Untersuchungshaft, während die Staatsanwaltschaft einen nächtlichen Hausarrest beantragte. Sicherheitsministerin Trinidad Steinert hatte zuvor erklärt, man werde "die schärfsten Vorsichtsmaßnahmen" anstreben.
Das Gericht verhängte jedoch mildere Auflagen: ein nationales Ausreiseverbot, ein Kontaktverbot zu Lincolao sowie eine zweiwöchentliche Meldepflicht. Die leitende Staatsanwältin von Valdivia, Alejandra Anabalón, erklärte, man werde die Ablehnung des nächtlichen Hausarrests unter Hinweis auf die Schwere des Angriffs auf eine Kabinettsministerin anfechten. Sie merkte an, dass den bisher nicht vorbestraften Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 541 Tagen bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe droht, während die Ermittlungen fortgesetzt werden.
Lincolao äußerte sich zu den Verhaftungen: "Ich empfinde Trauer für die Studenten, da ich annehme, dass sie es heute bereuen." Sie bezeichnete den Fall als "einen Präzedenzfall, der Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen kann" und überließ das weitere Vorgehen der Staatsanwaltschaft und der Universität. Unter den Beschuldigten befindet sich María Jesús Madariaga Rojas, die ehemalige Präsidentin der Studierendenvertretung.