Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat in Washington mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio über die Spannungen um Grönland gesprochen. Im Mittelpunkt stand die Drohung von US-Präsident Donald Trump, die Insel anzueignen. Wadephul betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in der NATO und sah keine Anzeichen für eine ernsthafte Militärintervention.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) reiste kurzfristig nach Washington, um mit US-Außenminister Marco Rubio über die anhaltenden Spannungen um Grönland zu sprechen. Dies geschah vor dem Hintergrund der US-Militärintervention in Venezuela, bei der Rubio eine zentrale Rolle spielte, und neuer Drohungen von Präsident Donald Trump, die zu Dänemark gehörende Insel notfalls "auf die harte Art und Weise" zu übernehmen. Trump hatte der New York Times mitgeteilt, dass seine "eigene Moral" die US-Außenpolitik leitet, nicht Völkerrecht oder klassische Interessen.
Nach dem Treffen am Kapitol beschrieb Wadephul das Gespräch als "sehr freundliches, ein sehr intensives Gespräch". Beide Seiten einigten sich darauf, dass sie sich als Partner im Nordatlantik brauchen. Zu Grönland äußerte Wadephul: "Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass das ernsthaft erwogen wird". Er betonte, dass nur Grönland und Dänemark über die Zukunft der Insel entscheiden dürften. Rubio spielte die Gefahr herunter und wies darauf hin, dass Trump die Insel kaufen wolle, ähnlich wie Präsident Harry Truman es plante, wobei Diplomatie im Vordergrund stehe.
Wadephul brachte Elemente eines NATO-Plans für die Arktis mit, darunter die Mission "Arctic Sentry", um die wachsende Präsenz von Russland und China in der Region zu kontern. Dies soll Trumps Argument für eine Aneignung entkräften. Weitere Themen waren die Situationen in der Ukraine, im Iran und in Venezuela. Rubio lobte Trump als "Präsident der Taten" und warnte vor Alleingängen der USA.
An Bord der Air Force One wies Trump NATO-Vorhaben zurück: "Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht". Wadephul reiste anschließend nach New York, um mit UN-Generalsekretär António Guterres über den US-Rückzug aus 66 internationalen Organisationen zu sprechen. Obwohl Rubio als Hardliner gilt, bleibt fraglich, ob Berlin Einfluss auf Trumps Kurs nehmen kann. Grönland umfasst über zwei Millionen Quadratkilometer und ist strategisch bedeutsam wegen Bodenschätzen und Lage.