Während Jordan Bardella, Präsident des Rassemblement National (RN), Angriffe wegen seiner Unerfahrenheit erfährt, konstatiert ein Soziologe, dass seine Wähler Lebenserfahrung höher bewerten als formale Kompetenzen. Eine aktuelle JDD-Umfrage rechnet Bardella zu den beliebtesten Politikfiguren, was auf wachsende Popularität auf der extremen Rechten hindeutet. Diese Debatten tauchen auf vor der Präsidentschaftswahl 2027.
Der Soziologe Félicien Faury, Autor von Des électeurs ordinaires. Enquête sur la normalisation de l’extrême droite (Seuil, 2024), analysiert anhand von Feldstudien im Südosten Frankreichs von 2016 bis 2022 die Wirkung der Kritik an Jordan Bardella. Angriffe auf den RN-Präsidenten wegen fehlendem Diplom riskieren nach seiner Ansicht, dessen Wähler zu festigen. „Für den RN-Elektoren zählt Kompetenz weniger als Lebenserfahrung“, erläutert Faury in einem Interview mit Le Monde. RN-Wähler zeigen starkes Misstrauen gegenüber der Politikwelt, die sie als entfremdet empfinden. „Die, die uns regieren, leben nicht wie wir, sie haben nicht dieselben Sorgen“, fassen sie zusammen und betonen eine Klassenferne.
Auf der Rechten habe die vermutete Inkompetenz von Marine Le Pen trotz Einigkeit bei Migration einige Wähler abgeschreckt, merkt Faury an. Für RN-Anhänger stehe hingegen gemeinsame Lebenserfahrung im Vordergrund.
Ein Vorfall verdeutlicht diese Schwächen: Am 24. Juni 2024 improvisierte Bardella bei einer Pressekonferenz zur RN-Versprechens, Doppelstaatlern bestimmte öffentliche Posten zu verbieten, die seit 2022 im „nationalen Prioritäts“-Projekt enthalten sind. Ohne Vorbereitung durch sein Team erfand er eine „Liste strategischer Positionen“ gegen „Einflussnahmen“. Der Premierkandidat räumte später seine mangelnde Vorbereitung ein.
Trotzdem stuft eine Journal du dimanche (JDD)-Umfrage vom 4. Januar 2026, durchgeführt vom CSA-Institut (im Eigentum von Vincent Bolloré) nach der Trennung von IFOP, Bardella auf Platz 4 unter den beliebtesten Franzosen ein, vor Marine Le Pen (Platz 7). Marion Maréchal (30.) und Philippe de Villiers (37.) erscheinen erstmals, gefolgt von Nicolas Sarkozy, Éric Zemmour und Sarah Knafo vor Jean-Luc Mélenchon. Der JDD kommentiert: „Für die Zweifler: Frankreich neigt stark nach rechts“. Die von CNews-Geschäftsführer Serge Nedjar betreute Umfrage zeigt interne Konflikte im Bolloré-Konzern.
Links und rechts suchen den besten Angriffspunkt gegen Bardella, dessen Kandidatur 2027 von einem möglichen Verbot für Le Pen abhängt. Diese Entwicklungen unterstreichen die zunehmende Normalisierung der extremen Rechten.