In Frankfurt entsteht Hessens erste Urnenkirche in der denkmalgeschützten Trauerkirche St. Michael im Nordend. Sie soll im ersten Halbjahr 2026 eröffnen und Platz für rund 2.500 Urnen bieten. Der Umbau verbindet Räume für Lebende und Verstorbene und reagiert auf Veränderungen in der Trauerkultur.
Die Umgestaltung der Trauerkirche St. Michael im Frankfurter Nordend zu Hessens erster Urnenkirche schreitet voran. Vor dem denkmalgeschützten Gebäude ist derzeit eine Baustelle eingerichtet, und im Inneren werden erste Wände errichtet. Verena Maria Kitz vom Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael hofft auf eine Eröffnung im ersten Halbjahr 2026.
„Das Besondere an dem Ort ist die Verbindung von Lebenden und Toten unter einem Dach in einem geschützten Raum“, erklärt Kitz. Hier sollen Verstorbene würdig beigesetzt werden, während Angehörige und andere Trauernde einen geeigneten Platz für Reflexion finden. Das Bistum Limburg bezeichnet es als erste Urnenbegräbniskirche in Hessen. Bereits gibt es eine Warteliste von Interessenten, unabhängig von der Konfession. Anonyme Beisetzungen werden jedoch abgelehnt; stattdessen sollen Namen genannt und ein Segen gesprochen werden.
Der Umbau kostet etwa 3,1 Millionen Euro, wovon das Bistum 1,4 Millionen Euro übernimmt. Der Rest wird durch den Verkauf von Urnenplätzen finanziert, deren Preise sich an städtischen Friedhöfen orientieren – mit einer Ruhezeit von 15 Jahren. Günstigere Optionen existieren für einkommensschwache Personen. Solche Urnenkirchen gibt es schon in Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Diese Entwicklung spiegelt gesellschaftliche Trends wider: Laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter werden rund 80 Prozent der Verstorbenen feuerbestattet, oft mit Urnensetzung. Kitz betont: „Wir sehen, wie sehr sich die Trauerkultur verändert hat.“ Viele Menschen pflegen keine Familiengräber mehr, doch ein ästhetischer, wartungsfreier Ort für gemeinsame Trauer bleibt essenziell. Ursprünglich geplant für Ende 2024, verzögerte sich das Projekt mehrmals.