Die Familie des deutschen Großmeisters Lothar Schmid versteigert seine umfangreiche Sammlung mit über 50.000 Schach-Artefakten nächsten Monat bei Sotheby’s in London. Zu den Stücken gehören Partienotizen und Andenken vom Schach-Weltmeisterschaftskampf 1972 zwischen Boris Spassky und Bobby Fischer. Schmid, der als Chefarbiter bei diesem historischen Match fungierte, baute die Sammlung über Jahrzehnte auf.
Lothar Schmid, ein prominenter deutscher Schachspieler und Großmeister im klassischen Brettschach sowie im Fernschach, schuf eine der größten privaten Sammlungen von Schachmemorabilien, die mehrere Jahrhunderte umspannt. Die Sammlung, die bis vor Kurzem in seinem Haus in Bamberg im Süden Deutschlands, wo er 2013 starb, gelagert war, umfasst mehr als 50.000 Objekte und gilt als die bedeutendste ihrer Art im Privatbesitz. Seine drei Kinder verkaufen sie nun im April 2026 bei Sotheby’s in London. ⏎⏎Highlights umfassen Partienotizen vom »Match of the Century« 1972 in Reykjavik auf Island, wo Schmid das Duell zur Zeit des Kalten Krieges zwischen dem sowjetischen Champion Boris Spassky und dem amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer leitete. Diese signierten Blätter zusammen mit anderen Andenken sollen Tausende Pfund einbringen. Sotheby’s-Spezialist Gabriel Heaton beschrieb sie als »die handschriftliche Aufzeichnung der Zeit und die Notenblätter, jedes Spielerblatt vom anderen signiert, um die Übereinstimmung zu signalisieren, was einen so nah wie möglich an das größte Schachmatch des 20. Jahrhunderts heranbringt.« ⏎⏎Andere bemerkenswerte Lose sind das älteste existierende Schachbuch »Repetition of Loves and the Art of Chess« von Luis Ramírez de Lucena aus um 1497, das voraussichtlich mindestens 70.000 £ einbringt; Dokumente zum Automaten Mechanical Turk, der 1769 vorgestellt wurde; und die einzige erhaltene italienische Ausgabe von »Givocho’s Chess Book« von Jacobus de Cessolis, einem mittelalterlichen Werk, das Schach als Metapher für die feudale Gesellschaft verwendet. ⏎⏎Schmids Leidenschaft trieb ihn dazu, fünf Kontinente zu bereisen, um Neuerwerbungen zu tätigen, finanziert teilweise durch den Familienbesitz am Karl-May-Verlag, dem Verlag der Abenteuernovellen von Karl May. Sein Sohn Bernhard Schmid erinnerte sich: »Er war verrückt nach dem Spiel und allem, was damit zu tun hat. Er reiste zu fünf Kontinenten, um Artefakte zu erwerben, in die er sich verliebt hatte, einmal nach Südamerika für ein Buch, das er uns Kindern als so teuer wie ein Haus beschrieb.« Bernhard hob auch hervor, dass der Charme und die Neutralität seines Vaters ihn zum idealen Schiedsrichter machten: »Er kannte und respektierte beide Männer gut und war selbst sehr beliebt.« ⏎⏎Heaton betonte die anhaltende Anziehungskraft des Schachs inmitten kürzlicher Popularitätswellen durch die Pandemie und Netflix’ »The Queen’s Gambit« und sagte: »Etwas zu besitzen, das die Menschheit seit Jahrhunderten fasziniert, ist in unserer Welt besonders überzeugend. Es basiert nicht auf Glück, sondern auf purer Strategie und ist auch schön vorhersagbar, weil jeder die Regeln kennt. Das wirkt sehr erdenkend.« Bernhard ergänzte, dass seine Mutter Ingrid die Sammelleidenschaft »geduldig ertragen« habe und sie als positive Sucht ansah.