Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung hat eine vernichtende Bilanz darüber gezogen, wie das Justizsystem mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch und Inzest umgeht.
Der Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag und am Donnerstag vorgestellt werden soll, beleuchtet Versäumnisse in jeder Phase der Strafverfolgung, von der Ermittlung bis zum Urteil. Er hält fest, dass angesichts der sprunghaft ansteigenden Zahl von Anzeigen die personellen Ressourcen bei weitem nicht ausreichen – es gibt lediglich 2000 spezialisierte Ermittler – und dass das Fachpersonal unzureichend geschult ist. Der Berichterstatter, der sozialistische Abgeordnete Christian Baptiste, erklärte gegenüber AFP, Inzest sei ein Massenverbrechen, das eine umfassende politische Antwort erfordere. Der Ausschuss erinnert daran, dass jedes Jahr 160.000 Kinder Opfer sexueller Gewalt werden, wobei in 81 Prozent der Fälle ein Familienmitglied der Täter ist. Unter den rund fünfzig Empfehlungen fordert der Bericht, die Entziehung eines Kindes von seinem sorgeberechtigten Elternteil straffrei zu stellen, wenn der Verdacht auf sexuelle Gewalt besteht, und die Weigerung eines Kindes, einen Elternteil zu sehen, obligatorisch zu berücksichtigen. Zudem drängt er auf eine Kinderschutzanordnung ab dem Zeitpunkt der Offenlegung und verlangt, dass die wesentlichen Ermittlungsschritte innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden.