Die liberale Parteivorsitzende Simona Mohamsson hat auf einem außerordentlichen Parteitag ihr umstrittenes Kooperationsabkommen mit den Schwedendemokraten (SD), das sogenannte „Sverigelöftet“, knapp verteidigt. Mit 95 zu 82 Stimmen sicherte sie sich das Vertrauen der Basis, während es gleichzeitig zu Rücktritten kam und die Jugendorganisation mit einem Boykott des Wahlkampfs drohte.
Die Krise in der schwedischen Liberalen Partei (L) brach aus, nachdem Mohamsson am 13. März ihre Zusage vom Oktober 2025 revidiert hatte, keine Regierungen mit Beteiligung der Schwedendemokraten zu unterstützen. Dem folgte ein geheimes Abkommen mit SD-Parteichef Jimmie Åkesson, das durch Medienberichte bekannt wurde. Kritiker, darunter die Politikerin aus Malmö, Sara Wettergren, warfen der Partei vor, ihre „liberale Seele“ zu verraten. Die Jugendorganisation LUf forderte den Rücktritt des Vorstands, drohte den Wahlkampf einzustellen und zeigte sich schockiert darüber, von der Vereinbarung erst durch die Presse erfahren zu haben.
Ein privates Treffen zwischen Mohamsson und Åkesson diente dazu, unvereinbare Forderungen vor der anstehenden Wahl im Herbst zu klären. Es schuf Vertrauen und führte zum „Sverigelöftet“ – einem 15-Punkte-Abkommen über die Nationalisierung des Schulwesens, ein Euro-Referendum im Jahr 2030, den Ausbau der Kernkraft und eine strikte Migrationspolitik. Die Umarmung nach dem Treffen symbolisierte diesen kontroversen Kurswechsel.
Der Aufruhr verschärfte sich durch prominente Rücktritte und Boykottdrohungen der LUf. Auf dem außerordentlichen Parteitag am Sonntag (22. März) sprachen 95 von 177 Delegierten Mohamsson ihr Vertrauen aus. Die 31-jährige Bildungsministerin, die das Amt seit Juni 2025 innehat, forderte Loyalität von den Parlamentskandidaten und versprach, Ulf Kristersson nach der Wahl als Ministerpräsidenten zu unterstützen. „Ich habe Verantwortung übernommen, um die Partei zu retten“, erklärte sie gegenüber Expressen und verwies darauf, dass seit dem 13. März landesweit über 1.000 neue Mitglieder beigetreten seien, davon 174 in Schonen.
Kommentatoren heben die schwedische Tradition des Kompromisses als möglichen Ausweg hervor, wenngleich die Wahlchancen der Partei weiterhin vor großen Herausforderungen stehen.