Der Präsident der Zentralbank (Banco Central), Gabriel Galípolo, forderte am Montag angesichts der globalen Unsicherheiten durch den Iran-Krieg Zurückhaltung in Brasiliens Zinspolitik. Auf einem Seminar in Rio de Janeiro betonte er die Notwendigkeit vorsichtiger Schritte bei der Bekämpfung des Inflationsdrucks. Der ehemalige BC-Präsident Arminio Fraga kritisierte die Fiskalpolitik der Regierung, da diese die Arbeit der Zentralbank nicht unterstütze.
Gabriel Galípolo, Präsident der Banco Central, eröffnete am Montag in Rio de Janeiro ein von FGV Ibre veranstaltetes Seminar zur Geldpolitik. Er verteidigte die Vorsicht der Institution bei der Steuerung der Zinssätze, die durch die Auswirkungen des Iran-Krieges beeinflusst wird, welche die Ölpreise und Inflationsprognosen in die Höhe getrieben haben.
"Ich glaube, ich habe das Wort Vorsicht seit meinem Eintritt in die Banco Central öfter benutzt als in meinem ganzen Leben zuvor. Aber bei der Banco Central kommt Vorsicht mit Gelassenheit einher. Sie ist nie allein", sagte Galípolo. Er fügte hinzu, das Ziel sei es, "sich Zeit zu nehmen, um das Problem besser zu verstehen und sicherere Entscheidungen zu treffen".
Im März senkte das Copom den Selic-Zinssatz auf 14,75 % pro Jahr, nachdem Anzeichen für eine nachlassende Inflation erkennbar waren. Das Focus-Bulletin der BC zeigte, dass die Marktprognosen für den IPCA für 2026 von 4,31 % auf 4,36 % stiegen und sich damit der Obergrenze des Zielwerts von 4,5 % annäherten.
Nach der Veranstaltung kritisierte der ehemalige BC-Präsident Arminio Fraga die Fiskalpolitik der Regierung Lula. "Was fehlt, ist eine Fiskalpolitik, die der Banco Central die Arbeit etwas erleichtert, und das haben wir schon seit einer Weile nicht mehr", sagte er. Er nahm an demselben Seminar teil und merkte an, dass eine schwache Fiskalpolitik die Inflationskontrolle untergrabe.