Das geldpolitische Komitee der brasilianischen Zentralbank (Copom) hat den Selic-Zins am Mittwoch, den 29. April 2026, einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent pro Jahr gesenkt. Das Komitee schlug aufgrund von Inflationsrisiken und externen Unsicherheiten, insbesondere durch die Konflikte im Nahen Osten, einen vorsichtigen Ton an. Analysten hatten diesen Schritt erwartet und machen weitere Senkungen von neuen Daten abhängig.
Der Copom unter dem Vorsitz von Präsident Gabriel Galípolo behielt bei seiner Sitzung am 29. April das schrittweise Tempo der Zinssenkungen bei und senkte den Selic-Zins von 14,75 Prozent auf 14,5 Prozent pro Jahr. Die Entscheidung fiel trotz Abwesenheiten einstimmig aus, und die Mitteilung betonte Besonnenheit und Vorsicht in der Geldpolitik.
Die Zentralbank hob die erhöhte globale Unsicherheit infolge der tiefgreifenden Konflikte im Nahen Osten hervor, wobei der Brent-Ölpreis am Mittwoch bei über 100 US-Dollar lag und bis auf 111 US-Dollar anstieg. Die Inflationsprognosen stiegen auf 4,6 Prozent für 2026 und 3,5 Prozent für 2027 und wichen damit vom Zielwert von 3 Prozent ab. Der Dollar wertete sich auf 5,00 Real auf, doch die Risiken bleiben bestehen, da die Inflation im Zwölfmonatszeitraum bis März bei 4,14 Prozent lag.
Trotz der Senkung belegt Brasilien laut Portal MoneYou und Lev Intelligence mit 9,18 Prozent pro Jahr den zweiten Platz im globalen Ranking der Realzinsen, hinter Russland (9,57 Prozent). Im nominalen Vergleich liegt das Land gleichauf mit Russland auf dem dritten Platz.
Analysten reagierten zurückhaltend. Natalie Victal von SulAmérica Investimentos warnte vor einer höheren Hürde für weitere Zinsschritte. José Márcio Camargo von Genial Investimentos prognostiziert einen Selic-Zins von 13,25 Prozent am Ende des Zyklus, betonte jedoch die Datenabhängigkeit. Raphael Vieira von Arton Advisors und Flávio Serrano von der Banco Bmg unterstrichen die Bedenken hinsichtlich des externen Umfelds und der Inflation.