Pensionierte hochrangige Richter haben in Südafrika strengere Maßnahmen gegen den Missbrauch gerichtlicher Verfahren gefordert und dabei auf die Verzögerungen im Waffenhandelsfall des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma verwiesen.
Der pensionierte stellvertretende Präsident des Obergerichts von Gauteng, Roland Sutherland, und der ehemalige stellvertretende Oberste Richter Mbuyiseli Madlanga sprachen am 18. Juni bei der Vorstellung eines Buches über Rechtsethik an der University of the Witwatersrand. Sie warnten davor, dass sogenannte Stalingrad-Taktiken die Gerichte untergraben und das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Justizsystem schwächen.
Sutherland erklärte, dass solche Taktiken die Funktionsfähigkeit der Gerichte bedrohen und beendet werden müssen. Er stellte eine wachsende Bereitschaft unter Richtern fest, entschlossen zu handeln, forderte jedoch Gremien wie den Legal Practice Council auf, die Durchsetzung ethischer Standards zu verbessern.
Madlanga sagte, das Kernproblem sei nicht die Anzahl der eingeleiteten juristischen Schritte, sondern ob das Verhalten einen Rechtsmissbrauch darstelle. Er fügte hinzu, dass die Gerichte bereits über die Werkzeuge verfügten, um missbräuchliche Prozessführung zu stoppen, und forderte die Richter auf, diese ohne Zögern anzuwenden.
Die Diskussion befasste sich auch mit Verzögerungen bei der Urteilsverkündung, wobei Madlanga die Notwendigkeit einer konsequenten Durchsetzung bestehender Regeln an allen Gerichten betonte.