Die Eskalation des Iran-Kriegs treibt die Ölpreise in die Höhe und führt zu spürbaren Preiserhöhungen an deutschen Tankstellen. Diesel kostet nun im Schnitt 2,04 Euro pro Liter, Benzin 1,94 Euro. Politiker fordern staatliche Eingriffe gegen die steigenden Spritkosten.
Die Ölpreise haben durch den Iran-Krieg einen starken Anstieg erlebt. Am Freitag verteuerte sich ein Barrel der US-Sorte um bis zu 14 Prozent, der stärkste Zuwachs seit Mai 2020. Die Nordseesorte Brent stieg um bis zu 10,8 Prozent auf fast 95 Dollar, wie zuletzt im September 2023. Innerhalb einer Woche legten die Preise um 30 Prozent zu, wobei Brent-Öl am Freitag Nachmittag bei knapp 90 Dollar notierte und sich wöchentlich um mehr als 20 Prozent verteuerte.
An deutschen Zapfsäulen sind die Auswirkungen spürbar: Am Donnerstag betrug der Durchschnittspreis für Diesel 2,04 Euro pro Liter, ein Anstieg um 17 Prozent seit der Eskalation. Super E10 kostete 1,94 Euro, plus 9 Prozent. Innerhalb einer Woche stieg Diesel um fast 30 Cent pro Liter. „Die Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten sind an den deutschen Tankstellen inzwischen deutlich sichtbar“, sagte Steffen Bock, Geschäftsführer von clever-tanken.de, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Auch Gaspreise kletterten: An der TTF-Börse stieg der Preis um 4 Prozent auf fast 53 Euro pro Megawattstunde, 17 Prozent höher als im Vorwinter. Der ADAC kritisiert eine „unangemessene Preissetzung“, da Tanklager noch mit günstigerem Öl gefüllt seien. Seit Sonntag gibt es Andrang an Tankstellen, was die Preise weiter antreibt.
Deutschlands Tankstellenmarkt wird von einem Oligopol dominiert: Aral, Shell, Esso, Total und Jet kontrollieren rund 80 Prozent. Das Bundeskartellamt beobachtet gegenseitige Preisanpassungen, die zu Schwankungen bis 13 Cent pro Liter in 24 Stunden führen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will eine Untersuchung durch das Kartellamt. „Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe“, sagte sie.
Politiker reagieren: Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) fordert eine Übergewinnsteuer, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) „Reaktionsmechanismen“. BSW-Vorsitzende Amira Mohamed Ali verlangt eine Senkung der Energiesteuer um 20 Prozent und Aussetzung der CO₂-Steuer. „Deutschland braucht jetzt eine wirksame Spritpreisbremse, um die Abzocke an den Tankstellen schnell zu beenden“, sagte sie. Kartellamtschef Andreas Mundt warnt, dass geopolitische Preissteigerungen nicht einfach gestoppt werden können.