Nach drei Monaten angespannter Verhandlungen hat Premierminister Sébastien Lecornu den 2026-Haushalt durchgesetzt, indem er den Sozialisten mehrere Punkte zugestand, darunter die Aussetzung der Rentenreform von 2023. Diese Annahme, gesichert per Artikel 49.3, verhindert eine umstrittene Steuer, weckt aber wirtschaftliche Bedenken bei den Franzosen. Die Zugeständnisse werden Unternehmen und der Wirtschaft des Landes schaden.
Die lange Haushalts-Saga für 2026 endet zu Beginn dieser Woche mit der endgültigen Verabschiedung des Finanzgesetzes, dank des ultimativen Einsatzes von Artikel 49.3 durch Premierminister Sébastien Lecornu. Im September 2025 nach Matignon berufen, musste er mehrere Zugeständnisse an die 69 sozialistischen Abgeordneten der Gruppe von Boris Vallaud machen, um eine Zensur zu vermeiden und die Haushaltstexte durchzubringen. Zu den großen Verzichterungen gehört die Aussetzung der Rentenreform von 2023, die unter Élisabeth Borne per 49.3 verabschiedet wurde, einer unbeliebten Maßnahme, die Linke und Gewerkschaften abschaffen wollten. Als entschiedener Unterstützer von Emmanuel Macron hat Lecornu so Teile des Erbes der zweiten Amtszeit aufgedröselt, Steuern erhöht, ökologische Ambitionen aufgegeben und die 2017 eingeleitete unternehmensfreundliche Politik gebremst. Die Franzosen haben die Zucman-Steuer vermieden, stehen aber einer schweren «Katerstimmung» gegenüber, wie Yves Thréard in seinem Le-Figaro-Editorial schreibt. Die Zugeständnisse an die Sozialisten haben ihren Preis: abgrundtiefe Schulden, steigende Arbeitslosigkeit, Unternehmenspleiten und ein Land, das weniger arbeitet und mehr ausgibt. Politisch verstärkt diese Operation das Misstrauen gegenüber der öffentlichen Rhetorik. Lecornu hatte versprochen, 49.3 nicht einzusetzen, tat es aber am 20. Januar 2026. Guillaume Tabard merkt an, dass diese Abtretungen jede künftige wirtschaftliche Erholung erschweren. Trotz fehlender Mehrheit in der Nationalversammlung dehnte Lecornu den Prozess bis zu den Kommunalwahlen 2026 aus und vermied vorzeitige Parlamentswahlen. Die RN macht daraus kein Kampfross mehr. Nach der Verabschiedung richtet Lecornu den Blick auf posthaushaltliche Themen, wendet sich Landwirtschaft und anderen Akten zu, während er montags Zensuranträgen gegenübersteht.