Die französische Nationalversammlung lehnte am 2. Februar 2026 zwei Misstrauensvoten gegen die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu ab und verabschiedete damit endgültig das Finanzgesetz 2026 nach einer vier-monatigen Saga intensiver Debatten. Der Kompromiss-Text zielt auf ein BIP-Defizit von 5 Prozent ab – von Experten als unzureichend bewertet – nach Zugeständnissen, dreimaliger Anwendung von Artikel 49.3 und Oppositionkritik; das Gesetz geht nun ans Verfassungsgericht zur Prüfung vor verspäteter Verkündung.
Die Verabschiedung erfolgte vor einem fast leeren Saal, wobei die Abgeordneten einen Antrag der Rassemblement National (RN)-Fraktion (135 Stimmen) und einen Linken-Antrag ohne die Sozialisten (260 Stimmen) ablehnten, beide unter den erforderlichen 289 Stimmen. Damit endete ein zermürbender Prozess mit 350 Stunden Debatte, der am 15. Juli 2025 unter dem ehemaligen Premierminister François Bayrou begann, dessen Regierung im Herbst 2025 fiel und den Weg für Lecornus Wiedereinsetzung ebnete. Lecornu feierte das Ergebnis als „Ergebnis eines Kompromisses, der Änderungsanträge aller Gruppen integriert“, und schrieb auf X: „Frankreich hat endlich ein Budget“, bei gleichzeitiger Ausgabenbegrenzung ohne Steuererhöhungen für Haushalte oder Unternehmen. Finanzministerin Amélie de Montchalin nannte es „ab heute nützlich für die Franzosen“. Trotz anfänglicher Ablehnung setzte Lecornu Artikel 49.3 dreimal ein, nachdem parlamentarische Absprachen scheiterten, einschließlich Zugeständnissen an PS-Abgeordnete zu Themen wie der Aussetzung der Rentenreform von 2023. Zu den Schlüsselfakten gehören die Verlängerung von Beiträgen hoher Einkommen, Steuern auf kleine Pakete und Trinkgelder, höhere Sozial- und Lokalaufwendungen sowie Defizitminderungsbemühungen – obwohl RN-Chef Jordan Bardella 30 Milliarden Euro neue Unternehmensabgaben als „steuertriefendes Budget“ kritisierte und LFI-Politikerinnen Mathilde Panot und Clémence Guetté die PS-Nähe als „Hollande-Lecornu-Budget“ mit tiefen Kürzungen brandmarkten. Moody’s prognostiziert ein Defizit von 5,2 Prozent, was Pierre Moscovici vom Rechnungshof widerspiegelt, der 5 Prozent für unzureichend hält. Nationalversammlungspräsidentin Yaël Braun-Pivet lobte die „Stabilität durch Kompromiss“, forderte aber eine Reform der Haushaltsregeln, um solche Dramen zu vermeiden. Gabriel Attal (Ensemble pour la République) sah darin das Signal, dass „das Quinquennat vorbei ist“, während Verbündete von Édouard Philippe es „das Ende des Macronismus“ nannten. Nach sechs überstandenen Misstrauensvoten bleibt Lecornu bis zur Präsidentschaftswahl im Amt, wenngleich mit begrenzter Handlungsspielraum inmitten der Umfragen. Der Text unterliegt der Prüfung durch das Verfassungsgericht vor Verkündung um den 10. Februar – 40 Tage verspätet –, während Bercy sich auf ein härteres 2027-Haushalt vorbereitet, das doppelte Anstrengungen vor dem Präsidentschaftswettlauf erfordert.