Eine Umfrage des Instituts Ipsos in 29 Ländern ergab, dass Männer der Generation Z die rückständigsten Auffassungen zur Geschlechterrollenverteilung haben. Besonders in Bezug auf Gehorsam in der Ehe und Einkommensunterschiede äußern sie traditionelle Ansichten. In Deutschland gibt es breite Unterstützung für faire Arbeitsteilung, doch Wahrnehmungslücken bestehen.
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat anlässlich des Weltfrauentags mehr als 23.000 Menschen ab 16 Jahren in 29 Ländern befragt. Die Generation Z umfasst Personen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. In allen Ländern vertraten Gen-Z-Männer im Vergleich zu anderen Altersgruppen die konservativsten Ansichten zur Rollenverteilung.
61 Prozent der Gen-Z-Männer meinen, in ihrem Land sei für die Geschlechtergleichstellung genug getan worden. 57 Prozent halten, dass die Förderung der Gleichstellung so weit gegangen sei, dass Männer nun diskriminiert würden. Fast jeder dritte Gen-Z-Mann (31 Prozent) ist der Meinung, eine Ehefrau solle ihrem Mann stets gehorchen; bei Gen-Z-Frauen sind es 18 Prozent. Zum Vergleich: Bei männlichen Babyboomern (geboren 1946-1964) sind es 13 Prozent, bei deren Frauen 6 Prozent.
29 Prozent der Gen-Z-Männer in Ländern wie Thailand, Mexiko, Südafrika, Italien, Australien, den USA und Japan sehen Probleme, wenn eine Ehefrau mehr verdient als ihr Mann; bei Boomer-Männern sind es 18 Prozent. Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos Deutschland, erklärte: „Digitale Ökosysteme verstärken die Polarisierung, weil Social Media Algorithmen zugespitzte Botschaften belohnen.“ Julia Gillard von der King’s Business School in London sagte: „Es ist beunruhigend zu sehen, dass die Einstellung zur Gleichstellung der Geschlechter nicht positiver ist, insbesondere unter jungen Männern.“
Kelly Beaver, Ipsos-Geschäftsführerin in Großbritannien und Irland, bemerkte: „Die diesjährige Umfrage zeigt uns, dass wir möglicherweise eine große Neuverhandlung der Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft erleben.“ In Deutschland ist nur jeder Zehnte der Ansicht, Frauen profitieren, wenn Männer traditionelle Rollen einnehmen – der niedrigste Wert unter den Ländern. 73 Prozent unterstützen geteilte Kindererziehung, 75 Prozent geteiltes Geldverdienen und 77 Prozent geteilte Haushaltsarbeiten. Dennoch schätzen nur 15 Prozent persönlich, dass Kindererziehung Frauensache sei, während 44 Prozent dies als gesellschaftliche Erwartung sehen.
37 Prozent der deutschen Männer und 22 Prozent der Frauen glauben, Männer würden nun diskriminiert. 55 Prozent der Männer und 36 Prozent der Frauen halten, genug sei für Gleichstellung getan. 60 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer sehen mehr Frauen in Führungspositionen als notwendig für echte Gleichstellung. Heejung Chung von der King’s Business School warnte: „Es ist sehr besorgniserregend, dass traditionelle Geschlechternormen auch heute noch bestehen.“